Politik : USA warnen andere Staaten vor Wikileaks-Enthüllungen

Washington - Die US-Regierung will den möglichen diplomatischen Flurschaden durch eine Veröffentlichung von geheimen Papieren aus dem US-Außenministerium auf der Enthüllungsplattform Wikileaks begrenzen. Nach Angaben von Wikileaks wurden in Großbritannien, Kanada, Australien, Israel, Dänemark und Norwegen die Regierungen durch US-Vertreter über die Inhalte der Geheimdokumente informiert, die den Internetaktivisten vermutlich vorliegen.

Aus mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Quellen war am Mittwoch verlautet, die Publikation könnte die Beziehungen der USA zu anderen Ländern beeinträchtigen. Ein US-Außenamtssprecher erklärte am selben Tag, die Regierung warne ausländische Regierungen. „Die Veröffentlichungen sind schädlich für die USA und unsere Interessen“, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley am Donnerstag (Ortszeit). Zuvor hatte nach Angaben von Wikileaks die „New York Times“ mit dem Weißen Haus über Details der Wikileaks-Enthüllungen gesprochen. Die US-Zeitung gehört neben dem deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und dem britischen „Guardian“ zu den Medienpartnern von Wikileaks.

Die Veröffentlichung des kompromittierenden Materials wird kommende Woche erwartet, könnte aber auch vorgezogen werden. Der Umfang der Publikation wird Wikileaks zufolge sieben Mal größer sein als die rund 400 000 Pentagon- Berichte, die im Oktober zum Irakkrieg veröffentlicht wurden.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ könnten unter anderem Teile aus dem Schriftverkehr über Häftlinge im Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba online gestellt werden. Außerdem würden wahrscheinlich Korruptionsfälle ans Tageslicht kommen. Die israelische Tageszeitung „Haaretz“ berichtete, die Enthüllungen könnten auch für Israel unangenehm werden. Die US-Regierung habe die Regierung in Jerusalem vorab gewarnt, dass Material aus den vergangenen fünf Jahren veröffentlicht werden könnte. Der in London ansässigen Tageszeitung „Al-Hayat“ zufolge zeigen einige der neuen Wikileaks-Dokumente, dass die Türkei der Extremistenorganisation Al Qaida im Irak geholfen hat.

Die „Washington Post“ berichtete von Papieren, aus denen hervorgehe, dass die USA die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK unterstützt hätten. Einem russischen Medienbericht zufolge könnten die Dokumente auch zu einer Verstimmung zwischen Russland und den USA führen. Wie die Wirtschaftszeitung „Kommersant“ am Freitag unter Berufung auf Wikileaks-Kreise berichtete, enthalten die Dokumente Kommentare zu Russlands Politik und „wenig schmeichelhafte Aussagen“ über russische Führungspersönlichkeiten.

Es gehe unter anderem um Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen US-Diplomaten und russischen Politikern, Berichte über Ereignisse in Russland sowie Analysen zur Innen- und Außenpolitik. Der US-Botschafter im Irak, James Jeffrey, äußerte sich am Freitag besorgt über die bevorstehende Veröffentlichung der Dokumente. Wikileaks sei ein „furchtbares Hindernis“ für seine auf vertrauensvollen Gesprächen beruhende Arbeit, sagte er in Bagdad. dpa/rtr/AFP

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