Politik : USA weisen Kritik an neuem Raketenabwehrsystem zurück

Christoph von Marschall

Washington - Die USA bemühen sich verstärkt, russische Kritik an dem geplanten Raketenabwehrsystem mit Basen in Tschechien und Polen zu entkräften. Der Chef der zuständigen Pentagonabteilung, General Henry Obering, und Dan Fried, Staatssekretär im Außenministerium, wiesen in einem ausführlichen Vortrag über Technik und Umfang des Systems, der mit Karten und Diagrammen illustriert war, auch die Kritik der Kanzlerin Angela Merkel zurück, es habe zu wenig Konsultationen mit Moskau gegeben. Nach amerikanischer Darstellung war Russland seit 2001 zur Kooperation eingeladen und wurde regelmäßig informiert. Allein seit März 2006 habe es zehn hochrangige Treffen gegeben. Obering differenzierte auf Rückfrage des Tagesspiegels, das Angebot an Moskau beschränke sich auf umfassende Information. Für eine kostenlose Weitergabe der Technik sei „die Entwicklung zu teuer“.

Fried und Obering betonten, die Russen wüssten genau, dass sich das System gegen Nordkorea und Iran richte, nicht gegen sie. Von einer Verschiebung des strategischen Gleichgewichts könne keine Rede sein. Amerika plane bis 2011 den Aufbau von nur zehn Abfangraketen in Europa, das biete keinen Schutz gegen „tausende russische Atomsprengköpfe“. Die Abschreckung zwischen den Supermächten bleibe bestehen. Zu Befürchtungen Merkels und anderer Europäer, der Streit könne die strategischen Rüstungsabkommen beeinträchtigen, sagte Fried, auch dazu gebe es längst Gespräche mit Moskau. Offenbar nehmen die USA Russlands Poltern nicht für bare Münze. „Die reale Zusammenarbeit mit Russland ist in diesen Tagen hervorragend, die negativen Kommentare passen nicht dazu.“ Drohungen des Chefs der russischen Raketentruppen, Polen und Tschechien ins Visier zu nehmen, ordnete Fried als „Äußerung einer Minderheit in Moskau“ ein.

Nach Oberings Darstellung bauen die USA seit zweieinhalb Jahren ein System auf, das angreifende Raketen in allen Phasen vom Start über den Weltraum bis zum Zielanflug überwachen und mit Abfangraketen — sogenannten Interzeptoren — zerstören kann. Ausgangspunkt war die „Überraschung“ nordkoreanischer ballistischer Raketen. Deshalb begann das Projekt an der Pazifikküste, mit Radar in Alaska und auf Schiffen. Wegen möglicher Angriffe auf Israel und Europa, etwa vom Iran, sei nun eine Radarstation in Tschechien und eine für „Interzeptoren“ in Polen geplant. Die Verträge sollen noch in diesem Jahr unterschrieben werden. Gespräche über weitere Stellungen gebe es mit Großbritannien. Obering wandte sich dagegen, das System funktioniere nicht. Von 15 Tests der jüngsten Zeit seien 14 erfolgreich gewesen.

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