Politik : USA wollen Nato im Irak einbinden

Türkei verlangt als Gegenleistung für Truppen politischen Einfluss

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Istanbul (sei). USAußenminister Colin Powell hat gegenüber seinem türkischen Amtskollegen den Wunsch nach einer Schlüsselrolle der Nato im Irak bekräftigt. Dies berichteten türkische Medien mit Hinweis auf den Besuch des türkischen Außenministers Abullah Gül in Washington. Gül selbst sagte nach dem Gespräch mit Powell, eine Rolle für die Nato bei der internationalen Irak-Truppe würde der türkischen Regierung „die Arbeit erleichtern“. Washington hat Ankara um die Entsendung von rund 12 000 Soldaten zur Stabilisierung des Irak gebeten. Ohne ein internationales Mandat für die Irak-Truppe dürfte eine Zustimmung des türkischen Parlaments jedoch schwierig werden.

Die Zeitung „Yeni Safak“ berichtete unter Berufung auf Diplomaten, das Nato-Modell sei erstmals beim Besuch hoher US-Militärs in Ankara in der vergangenen Woche angesprochen worden. Demnach wollen sich die USA darum bemühen, dass die Irak-Truppe unter den „Schirm“ der Nato gestellt werde. Deutschland und Frankreich sollten dazu bewegt werden, dieses Modell zumindest nicht durch ihr Veto in der Allianz zu blockieren. Bisher zeigen nur wenige Nato-Staaten Interesse, sich an einer Irak-Truppe zu beteiligen – unter anderem, weil die Besatzungsmächte nicht bereit sind, ein Mandat der UN für den Irak-Einsatz einzuholen.

Powell sagte, er erwarte, dass die Türkei innerhalb kürzester Zeit über die Truppenfrage entscheide. Gül hatte auch Termine mit Vizepräsident Dick Cheney, US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. In der „Washington Post“ zählte der Gast Bedingungen für einem Truppeneinsatz auf. So sollen türkische Firmen mit Aufträgen beim Wiederaufbau bedacht werden und der US-Verwalter im Irak, Paul Bremer, einen türkischen Stellvertreter erhalten. Außerdem drängen die Türken darauf, die Kurden in ihrem Autonomiestreben zu bremsen.

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