Countdown zur US-Wahl: Noch 2 Tage : Üble Nachrede ist das Wahlkampfinstrument Nr. 1

Sie wurde per Post verteilt, im Radio gesendet, lief pausenlos im Fernsehen: Die Diffamierung des politischen Gegners ist das wichtigste Propagandamittel in diesem Wahlkampf. Das Volk sehnt sich zwar nach Eintracht, lässt sich aber am ehesten durch das Schüren von Zwist mobilisieren.

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Üble Nachrede gehört im US-Wahlkampf zum Geschäft.
Üble Nachrede gehört im US-Wahlkampf zum Geschäft.Foto: dpa

Eine Frage: Einmal angenommen, Sie sind amerikanischer Präsident und wollen wieder gewählt werden. Doch Ihre Bilanz ist, um es zurückhaltend auszudrücken, angreifbar. Die Staatsschulden haben sich auf mehr als 16 Billionen Dollar summiert, bei Ihrem Amtsantritt waren es 10,6 Billionen. Das Wirtschaftswachstum ist bescheiden, die Arbeitslosigkeit hoch, das Haushaltseinkommen gesunken, die Armut gestiegen. Was machen Sie?

Nächste Frage: Einmal angenommen, Sie sind der Herausforderer und wollen an die Macht kommen. Doch mit Ihrer Beliebtheit ist es, um es vorsichtig auszudrücken, nicht weit her. Sie haben Ihr Geld als Hedgefonds-Manager verdient, wirken unnahbar und steif, gehören einer Religionsgemeinschaft an, die vielen suspekt ist. Was machen Sie?

Die Antwort auf beide Fragen ist dieselbe – den Gegner angreifen, so hart es geht. Wer mit dem eigenen Pfund nicht wuchern kann, muss zuschlagen. Und so war das herausragende Merkmal des amerikanischen Wahlkampfes 2012 die üble Nachrede. Sie wurde per Post verteilt, im Radio gesendet, lief pausenlos im Fernsehen. Finanziert wurden die Milliardenkosten dafür von Organisationen, die unbegrenzt Spenden einsammeln dürfen (den SuperPACs, das steht für „Political Action Committee“). Mit deren Hilfe ist die „character assassination“ zum wichtigsten politischen Propagandainstrument geworden.

Obama vs. Romney - der Wahlkampf in Bildern
Unterstützer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama in Wisconsin, das als "Swing-State" gilt. Erfahren Sie mehr über die Staaten, in denen sich die Wahl entscheiden soll. Hier geht's lang.Weitere Bilder anzeigen
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05.11.2012 12:03Unterstützer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama in Wisconsin, das als "Swing-State" gilt. Erfahren Sie mehr über die...

Ungefähr ab dem Sommer hieß die entscheidende Frage nicht, wer den Wähler mit dem besten Programm bezirzt, sondern wer den Kontrahenten in die schlechteren Negativwerte stürzt. Die Strategie ging auf. Ende Juli waren bereits rund ein Drittel der Amerikaner „sehr negativ“ eingestellt – sowohl gegenüber Barack Obama als auch gegenüber Mitt Romney. Obamas Botschaft lautete: Mit mir war nicht alles gut, aber mit Romney wird alles noch viel schlimmer (aus „hope“ und „change“ und „Yes, we can“ wurde „Four more years“). Romneys Botschaft lautete: Schlimmer als mit Obama kann’s gar nicht werden.

Nun ist negative Wahlwerbung – das „mudslinging“, die Schlammschlacht – nichts Neues. Legendär ist das Duell im Jahr 1800, als Herausforderer Thomas Jefferson über Amtsinhaber John Adams streuen ließ, dieser sei ein „ekelerregender Pedant, widerlicher Heuchler, und er hat insgeheim einen hermaphroditischen Charakter, der weder die Kraft und Festigkeit eines Mannes aufweist noch die Weichheit und Sensibilität einer Frau“. Die Adams-Getreuen kübelten kaum weniger brutal zurück. Jefferson sei ein „gemeiner, niedriger Kerl, der Sohn einer halb-indianischen Mutter, gezeugt von einem Mulatten-Vater aus Virginia“.

Präsident Lyndon B. Johnson wiederum, der 1964 den herausfordernden Senator aus Arizona, Barry Goldwater, besiegte, hatte seinen Demokraten den Rat gegeben: „Verbreitet, dass er es mit Tieren treibt. Und dann lasst es ihn abstreiten.“

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