Countdown zur US-Wahl: Noch 7 Tage : Wie Sturm "Sandy" den Wahlkampf aufwirbelt

Wie viel Staatsmann muss, wie viel Wahlkampf darf noch sein? Sturm "Sandy" hat die Planungen der beiden Präsidentschaftskandidaten gehörig durcheinander gebracht. Vor allem der Republikaner Mitt Romney steht nun vor einem Problem.

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Wegen seiner Pläne für eine Entstaatlichung der Katastrophenhilfe wird Mitt Romney in der Presse heftig angegriffen.
Wegen seiner Pläne für eine Entstaatlichung der Katastrophenhilfe wird Mitt Romney in der Presse heftig angegriffen.Foto: reu

Es war alles geplant, bis ins Detail. Es war berechnet, bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma. Die Wahlkampfmaschinerie lief mit der Präzision eines Uhrwerks und der Kraft eines Atomkraftwerks. Jetzt ging es nur noch um die jungen, verheirateten Frauen in Franklin County im Bundesstaat Ohio. Und um die hispanischen Mittelständler in Hillsborough County in Florida. Und um die Stimmen der Militärs im Süden Virginias.

Umfragen heizten die täglichen  Strategiedebatten zusätzlich an: Kann Mitt Romney, um Präsident zu werden, Ohio verlieren, wenn er stattdessen in Florida und Wisconsin gewinnt. Oder wird diesmal Colorado den Ausschlag bei der Wahl geben? Es waren nur noch wenige Tage bis zur Entscheidung. Jetzt keinen Fehler mehr machen! Jetzt bloß nichts mehr dem Zufall überlassen!

Doch dann kam Sandy, der Sturm, der in erster Linie für Millionen von Menschen Zerstörung, Leid und Stromausfall verursachte, der aber auch die Planungen der beiden Kandidaten gehörig durcheinander wirbelte. Plötzlich sahen sich beide aufs weite Feld der Improvisationsnotwendigkeit gestoßen. Wie viel Staatsmann muss, wie viel Wahlkampf darf noch sein? Eine schwierige, eine heikle Balance.

Die US-Ostküste nach Supersturm "Sandy"
Nach Hurrikan "Sandy" kommt die Kälte. Sturmopfer versorgen sich in einem Hilfscenter mit dem Nötigsten.Weitere Bilder anzeigen
1 von 124Foto: dpa
03.11.2012 21:49Nach Hurrikan "Sandy" kommt die Kälte. Sturmopfer versorgen sich in einem Hilfscenter mit dem Nötigsten.

Barack Obama schien zunächst im Vorteil. In Zeiten der Not goutiert das Volk den Macher. Deutsche kennen den Effekt: Ob Helmut Schmidt in Hamburg oder Gerhard Schröder in der Oderflut – bei Katastrophen zeigt sich der wahre Charakter. Obama sagte umgehend alle Wahlkampftermine ab, rief zu einer Krisensitzung ins Weiße Haus und wandte sich an die Nation. Der Präsident war wieder da. Als er gefragt wurde, welche Auswirkungen Sandy auf die Wahl haben werde, antwortete er: „Unsere oberste Priorität ist es, Menschenleben zu retten.“

Für Romney war der Umgang mit dem Hurrikan komplizierter. Er durfte nicht in die Präsidentenrolle schlüpfen, das wäre anmaßend gewesen. Er durfte nicht versuchen, den obersten Trostspender zu spielen. Das hätte arrogant gewirkt. Aber ganz abtauchen, so kurz vor der Wahl? Also zögerte der Herausforderer, sagte erst am späten Montagmorgen alle Wahlkampftermine für Montag und Dienstag ab. Sehr spät, monierten Kritiker. Gerade rechtzeitig, meinten seine Anhänger.

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