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Live-Blog zum Nachlesen I : Das war der Wahltag in den USA

06.11.2012 22:07 Uhrvon , und
"I voted today!" Die Sticker sind begehrt. Obamas Wahlhelfer bemühen sich darum, Schwarze Wähler zu mobilisieren. Foto: ReutersBild vergrößern
"I voted today!" Die Sticker sind begehrt. Obamas Wahlhelfer bemühen sich darum, Schwarze Wähler zu mobilisieren. - Foto: Reuters

Während die Kandidaten in den "Swing States" noch ein letztes Mal auf Stimmenfang gehen, haben viele Wähler in Washington ihre Entscheidung schon getroffen. Unsere Korrespondenten erzählen von ihren Begegnungen am Wahltag. Hier im Live-Blog.

22:04 Uhr: Eine nette Geschichte am Rande hat unsere Korrespondentin Sonja Pohlmann in Washington aufgeschnappt:

Tony Domenico hat noch einen Sticker ergattert. "I voted" steht auf dem Aufkleber, den er an seinem grauen Anzug trägt, während er Besucher durch die Library of Congress führt, die größte Bibliothek der Stadt, vis a vis des Capitols in Washington. Domenico findet es gut, dass es die Sticker gibt. "Vielleicht motiviert das auch andere, wählen zu gehen", sagt er. Wem er heute Morgen seine Stimme gegeben hat, will er nicht verraten - nur, dass er mit einer anderen Partei sympathisiert als seine Frau.

"Das war schon immer so. Und nie hat einer von uns versucht, den anderen umzustimmen", sagt Tony Domenico. 40 Jahre sind sie jetzt verheiratet. Heute Abend werden sie gemeinsam die Auszählung Zuhause vorm Fernseher verfolgen. Einer wird sich freuen, einer wird enttäuscht sein. An ihrer Liebe ändert sich nichts.

21:45 Uhr:

Die Öffentlichkeit war überrascht, Mitarbeiter im Weißen Haus aber sagen: war schon lange geplant. Die Rede ist natürlich von dem überraschenden "Zwischenstopp" von Vizepräsident Joe Biden in Cleveland, Ohio. Anscheinend wollen die Demokraten ihren Kontrahenten nicht einfach so das Feld überlassen. Schließlich gelten die Stimmen aus Ohio als ausschlaggebend in dieser Wahl. Die Republikaner Romney und Ryan sind schon etwas länger auf Last-Minute-Stimmfang in dem "Swing State".

Biden hatte am Morgen in seinem Heimatstaat Delaware gewählt und war dann in eine Maschine gestiegen, um nach Chicago zufliegen, wo er zusammen mit Präsident Barack Obama den Wahlausgang abwarten wollte. Eine Stunde nach dem Start wurde dann bekannt, dass Biden eine Zwischenlandung in Ohio macht. (dapd)

21:30 Uhr:

Marc Etzold aus Arlington, Virginia, rund 20 Minuten von Washington DC entfernt:

Vor einem Wahllokal, dem „Lyon Village Community House“ stehen gut 50 Leute zur Stimmenabgabe an. „Das ist eine ziemlich kurze Schlange“, sagt Michael Mooron, einer der freiwilligen Helfer vor Ort. Rund 1000 Bürger haben hier bislang gewählt, allein 120 Leute hatten bereits bis 7 Uhr am Morgen ihre Stimme abgegeben.

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Tag der Entscheidung in den USA. Wer sollte Ihrer Meinung nach Präsident werden?

Im Wahllokal stehen fünf Wahl-Computer. Wer den Geräten nicht vertraut, kann sein Kreuz auch ganz klassisch auf Papier machen. Der Wahlzettel wird dann eingescannt und so ebenfalls elektronisch verarbeitet. Morgens waren die Geräte kurz ausgefallen. „Wir mussten die Maschinen neu starten“, erklärt Mooron. „Seitdem haben wir aber keine Probleme mehr.“

Viele Bürger im County Arlington müssen sich an diesem Dienstag aber gar nicht mehr anstellen. Sie haben sich für das „early vote“ entschieden, haben also vor dem Wahltag gewählt – hier in Arlington beinahe rund 30.000 Bürger, rund ein Drittel aller Wahlberechtigten.

21:20 Uhr: Mal was Buntes für zwischendurch

In Chicago haben die einsetzenden Wehen eine junge, hochschwangere Frau nicht davon abhalten können, zur Wahl zu gehen. Für die 21-Jährige war es das erste Mal. Die Fruchtblase soll angeblich schon auf dem Weg zur Wahlkabine geplatzt sein. Die Hochschwangere machte trotzdem tapfer ihr Kreuzchen, während die Wehen im Minutentakt eintraten. Das nennt man dann wohl eine wahre Demokratin - ohne zu wissen, für wen sie abgestimmt hat.

Auch wen Heidi Klum gewählt hat wissen wir nicht. Dass sie gewählt hat, wissen wir aber aus einer Fernsehshow. „Ich habe zum zweiten Mal in Amerika gewählt“, gab die 39-Jährige bei „Ellen DeGeneres“ zu Protokoll. Gerade rechtzeitig zu den Wahlen vor vier Jahren hatte sie ihre Staatsbürgerschaft und damit auch das Wahlrecht erhalten. Das aus Bergisch Gladbach stammende Model lebt seit vielen Jahren in Kalifornien. (dpa/dapd)

20:30 Uhr:

Tagesspiegel-Autorin Barbara Junge ist in der Nähe der Martin-Luther-King-Memorial-Bibliothek in Washington unterwegs, die heute zu einem Wahllokal umfunktioniert wurde. Von dort berichtet sie:

Romney? Obama? Eine Runde Liberaler US-Intellektueller im DC-Politikbetrieb hält es beim Essen mit dem alten Aberglauben: Noch nie ist der Amtsinhaber wiedergewählt worden, wenn die Redskinns (ein Football-Team) ihr letztes Heimspiel vor der Wahl verloren haben. Am Sonntag haben die Redskinns gegen die Carolina Panthers verloren. 13 zu 21.

Barack Obama gewinnt die Wiederwahl gegen Mitt Romney und erhält damit das Mandat für vier weitere Jahre im Amt als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Obamas Vorgänger, von George W. Bush bis hin zu Geroge Washington, sehen Sie hier in unserer Bildergalerie. Foto: ReutersBilder
Barack Obama gewinnt die Wiederwahl gegen Mitt Romney und erhält damit das Mandat für vier weitere Jahre im Amt als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Obamas... - Foto: Reuters

20:00 Uhr:

Unsere Korrespondentin Sonja Pohlmann schreibt aus Washington:

Schon am frühen Nachmittag (Ortszeit) hat Judith Mangubat keine englischen Sticker mehr. "I voted today", ich hab' heute gewählt. So einen Sticker bekommt heute jeder Amerikaner, der gewählt hat - und im Wahlbüro im Specialty Hospital of Washington will jeder einen haben. 1000 Sticker hatte Wahlleiterin Mangubat seit der Öffnung des Büros heute um sieben Uhr schon verteilt. "Der Andrang ist riesig", sagt sie. Und tatsächlich: Im Keller des Krankenhauses, wo der Wahlraum untergebracht ist, bilden sich lange Schlangen. Anders als in Deutschland sind die Wahlkabinen einsehbar. Wer wo sein Kreuz macht, ist leicht zu erahnen. Judith steckt die Wahlzettel in eine Maschine, die aussieht wie ein Kopierer und die die Stimmen automatisch auszählt. Auch hier: Jeder kann sehen, ob das Kreuz bei Obama, Romney, der Grünen Jill Stein oder dem Libertarian Gary Johnson gemacht wurde. Viele setzten ihr Kreuz bei Obama. "Das wird eng heute", sagt Mangubat, sie hat schon gewählt. Wen, das will sie nicht verraten. Als Wahlleiterin möchte sie neutral bleiben. Mit einem Lächeln verteilt sie weiter Sticker, spanische: "He votado hoy". Auch die nimmt hier jeder gerne. Wen die Mehrheit hier gewählt hat, das erfährt sie kurz nach 20 Uhr, wenn sie das Wahllokal schließt.

Wahlhelferin Judith Mangubat will nicht verraten, wen sie gewählt hat. Sie will neutral bleiben. Foto: Sonja PohlmannBild vergrößern
Wahlhelferin Judith Mangubat will nicht verraten, wen sie gewählt hat. Sie will neutral bleiben. - Foto: Sonja Pohlmann

19.30 Uhr:

Politiker-Gedränge am Flughafen von Cleveland in Ohio: Nur Minuten nach dem Flugzeug von Herausforderer Mitt Romney landet die Maschine des Vizepräsidenten Joe Biden. Romney bleibt an Bord, bis der Demokrat aufgebrochen ist - dann landet auch noch der republikanische Bewerber für den Vizeposten, Paul Ryan. Ohio ist der wohl wichtigste Bundesstaat für den Ausgang der Wahl in diesem Jahr.

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Unser/e Leser/in ostsee meint zum Artikel: Startbahn Sehnsucht:
Ausgerechnet die allerhässlichsten und nichtssagendsten Bauten der DDR werden jetzt unter Denkmalschutz gestellt. Damit soll wohl noch einmal so richtig die Öde der DDR als Abschreckung erhalten werden?! Nachdem man Palast der Republik und Ahornblatt nicht für erhaltenswert gehalten und schnell entsorgt hat, können diese grauenhaften Platten nun auch weg.
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