Mitt Romney : Der gute Mensch von Tampa

Mitt Romney hat auf dem Parteitag der Republikaner eine Rede ohne programmatische Kraft gehalten. Seine eigenen Leute konnte er damit zwar in Siegesstimmung versetzen. Auf das entscheidende Votum muss er aber noch warten. Eine Reportage aus Tampa.

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Die Romneys - eine schrecklich nette Familie.
Die Romneys - eine schrecklich nette Familie.Foto: dpa

Am Ende des Abschlussabends gleichen die Republikaner einer großen und ziemlich erleichterten Familie. Auf der Bühne laufen der Präsidentschaftskandidat Mitt Romney und sein Vize Paul Ryan mit ihren Frauen an der Seite hin und her, um beglückt mal auf der einen, mal auf der anderen Seite des großen Saals in die Menge zu winken. Minutenlang applaudieren die Delegierten stürmisch. 18 Romney-Enkel und drei Ryan-Kinder jagen derweil Luftballons in den Nationalfarben Blau, Rot und Weiß, die zu Hunderten aus dem Hallendach herab regnen, und boxen oder kicken sie ins Publikum.

Von ausgelassener Freude ist freilich wenig zu spüren. Parlamentspräsident John Boehner hat keine Mühe, den Saal bald wieder zur Ordnung zu rufen, um den katholischen Erzbischof von New York, Kardinal Timothy Dolan, den Schlusssegen sprechen zu lassen. Danach leert sich die große Mehrzweckhalle erstaunlich rasch. Die Delegierten haben offenkundig nicht das Gefühl, einem erhebenden Augenblick von historischer Bedeutung beizuwohnen, den man so lange wie möglich auskosten möchte.

Seit Beginn des Nominierungsparteitags diskutieren Amerikas Medien, ob sich diese Institution überlebt habe. Das Land weiß seit April, dass Mitt Romney als Präsidentschaftskandidat gegen Barack Obama antreten wird. Seit Mai hat er die dafür verlangte Zahl an Delegiertenstimmen zusammen. Warum dann noch diese teure und aufwändige Zusammenkunft Ende August, mitten in der Hurrikan-Saison? Wie schon vor vier Jahren hat auch dieses Mal ein Wirbelsturm das Programm durcheinander gewirbelt.

Der Parteitag der Republikaner in Bildern

Der Nominierungsparteitag der Republikaner 2012
„Was Amerika braucht, sind Jobs. Viele Jobs“ - Mitt Romney will 12 Millionen Arbeitsplätze schaffen, wenn er Präsident wird.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: dapd
31.08.2012 07:59„Was Amerika braucht, sind Jobs. Viele Jobs“ - Mitt Romney will 12 Millionen Arbeitsplätze schaffen, wenn er Präsident wird.

Ob die Sonderparteitage wirklich in einer Existenzkrise sind, weil sich im Zeitalter der elektronischen Medien ihr Sinn nicht mehr erschließt, wird die kommende Woche zeigen. Dann treffen sich die Demokraten in Charlotte, North Carolina. Wird auch ihre „Convention“ so uninspiriert verlaufen oder wird das Land zu dem Schluss kommen, es liege womöglich am Zustand der Republikanischen Partei und an der Person ihres Spitzenkandidaten, wenn die Funken in Tampa nicht so recht sprühen wollten?

Mitt Romney hat eine überraschende Rede gehalten. Weder war es ein großer Auftritt, von dem man noch lange reden wird. Noch hatte sie programmatische Kraft. Wer erfahren wollte, wie er zum Beispiel sein Versprechen in die Tat umsetzen möchte, Amerikas Haushalt auszugleichen und den Schuldenberg abzubauen, war hinterher nicht klüger. Er gab auch nicht den unbedingten Angreifer gegen den Amtsinhaber. Die Begründung, warum er ihn ablösen wolle und warum das besser für das Land sei, floss eher beiläufig ein.

Video: Mitt Romney's Rede auf dem Parteitag der Republikaner

Mit seiner Rede versuchte Romney drei Ziele parallel zu verfolgen: erstens, sich der Nation als Menschen aus Fleisch und Blut mit großen Gefühlen darzustellen; zweitens um Frauen zu werben; und drittens wenigstens ein paar der erwarteten Breitseiten gegen Barack Obama abzuliefern. Bisweilen drängte sich der Verdacht auf, seinen Beratern gehe es mehr darum, an seinen Schwachstellen zu arbeiten, als seine Stärken hervorzuheben. Andererseits bemühte sich Romney, mehr zu liefern, als von einer Rede zu diesem Anlass erwartet wird.

Nominierungsparteitage in Amerika sind zum Jubeln da. Sie sollen Kampfgeist und Siegeszuversicht wecken und die Reihen fester schließen. Es ist nicht ihre Aufgabe, in seriöser Weise die Lage der Nation zu diskutieren und ein Regierungsprogramm zu entwerfen. Die Republikaner waren mit Selbstzweifeln in ihr Treffen gegangen. Eigentlich müsste die Wahl eine klare Angelegenheit für sie sein. Die Wirtschaft stottert, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Da müssten die Bürger doch den Amtsinhaber abwählen.

So klar ist die Sache freilich nicht. Das liegt an den Republikanern. Die Partei ist gespalten zwischen rechten Ideologen und dem pragmatischen Wirtschaftsflügel. Und der Spitzenkandidat steht im Ruf, hölzern und abgehoben zu sein. Das muss sich ändern.

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