US-Wahl : Der geplatzte Lebenstraum des Mr. Romney

07.11.2012 10:12 Uhr
Mitt Romney nach seiner Niederlage. Foto: AFP
Mitt Romney nach seiner Niederlage. - Foto: AFP

Mitt Romney ist gescheitert. Vom müden Langweiler hatte er sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für Obama gemausert. Am Schluss waren seine Siegeschancen gut. Dass Romney bei den Wählern dennoch durchfiel, hat verschiedene Gründe.

Mitt Romney wirkt gefasst, doch leicht kommen ihm die Worte nicht über die Lippen: „Ich habe gerade Präsident Obama angerufen und ihm zu seinem Sieg gratuliert“, sagt er traurigen Anhängern in seiner Heimatstadt Boston. In einigen Orten an der Westküste sind die Wahllokale noch geöffnet, als Romneys Traum von der US-Präsidentschaft platzt. Der 65-Jährige wirkt staatsmännisch, als er seine Niederlage eingesteht, irgendwie sogar erleichtert

Doch ein guter Verlierer war Romney nicht. Mehr als eine Stunde ließ er Obama warten, bis er das Ergebnis akzeptierte.

Kein Wunder: Die Niederlage ist für Romney richtig bitter, schien der Sieg doch bis zum Ende so greifbar nah. Noch am Wahltag sah ihn manche Umfrage vorn, eine solch herbe Niederlage war kaum zu erwarten.

Beflügelt von einer realen Siegchance bereitete sein Team seit Wochen den Einzug ins Weiße Haus vor, führte konkretere Personalgespräche, schrieb erste Gesetzestexte. Nun das böse Erwachen: Die Regierung eines Präsidenten Willard Mitt Romney wird es nicht geben, nicht in den kommenden vier Jahren und wahrscheinlich nie. Seine Vision für Amerikas Zukunft landet höchstens als Fußnote in Geschichtsbüchern.

Sieben Jahre arbeitete der Ex-Gouverneur nur auf ein Ziel hin: mächtigster Mann der Welt zu werden. 2008 scheiterte er schon in den Vorwahlen. Doch Romney lernte dazu und ließ beim zweiten Anlauf seinen überwiegend skurrilen und untalentierten Mitbewerbern aus der eigenen Partei keine Chance. Im entscheidenden Duell gegen den Amtsinhaber Obama mauserte er sich schließlich - für viele überraschend - vom müde belächelten Langweiler zum gleichwertigen Herausforderer.

Am Ende boten ihm die schlechte US-Wirtschaftslage, recht schwache Beliebtheitswerte für den Amtsinhaber und außenpolitische Probleme der Regierung echte Siegchancen. Warum er dennoch bei den Wählern durchfiel, dürfte nun eine brutale Ursachenforschung bei den Republikanern klären. Gut möglich, dass die „Grand Old Party“ die Schuld allein beim Kandidaten sieht und ihn als Versager abstempelt. Mit dem „moderaten Mitt“ sind viele Konservative ohnehin nie warm geworden.

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