US-Wahl : Der geplatzte Lebenstraum des Mr. Romney

07.11.2012 10:12 Uhr

Mitt Romney ist gescheitert. Vom müden Langweiler hatte er sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für Obama gemausert. Am Schluss waren seine Siegeschancen gut. Dass Romney bei den Wählern dennoch durchfiel, hat verschiedene Gründe.

Romney war ein Kandidat von gestern.

Dabei war Romneys Problem nicht, dass er zu weit in der politischen Mitte stand, sondern dass er ein Kandidat von gestern war. Bei seiner klassischen Klientel lag er in Umfragen deutlich vorn - den Senioren, Kirchgängern, Waffenbesitzern oder Vorort-Bewohnern.

Doch deren Einfluss schwindet. Weiße Wähler machen nur noch gut 70 Prozent aus - vor 20 Jahren waren es fast 90 Prozent. Obama sagte schon vor Wochen: Wenn Romney verliert, dann weil er sich von der „am schnellsten wachsenden demografischen Gruppe im Land entfremdet hat - den Latinos“.

Der frühere republikanische Präsidentschaftsbewerber Mike Huckabee warf seiner Partei am Wahlabend denn auch eine „erbärmliche“ Minderheitenpolitik vor. „Das ist eine Gruppe, die eigentlich bei uns Konservativen sein müsste. Aber die Republikaner haben gehandelt, als könnten sie diese Wählergruppe ohnehin nicht gewinnen, und es gar nicht versucht. Und deshalb haben sie sie auch nicht bekommen.“

Hinzu kam, dass die Republikaner mit ihrer konservativen Haltung in Fragen von Verhütung und Abtreibung Frauen verärgerten. Die straften Romney so richtig ab, wie Wählernachbefragungen zeigten: Obama lag bei den Frauen mit mehr als zehn Prozentpunkten Vorsprung vorn.

Die Partei dürfe jetzt bloß nicht mit einem weiteren Rechtsruck reagieren, meint deshalb der Politikexperte John Hudak vom US-Forschungsinstitut Brookings. Um den Abwärtstrend zu stoppen, müsse sie sich stattdessen „den Realitäten einer sich verändernden Gesellschaft stellen“.
Doch es waren auch persönliche Fehler, die Romney in die Niederlage führten. Seinen Wahlkampf führte er mit einer fast peinlichen Zwanghaftigkeit, den Wählern genau das erzählen zu wollen, was sie gerade hören wollen. „Als Kandidat war er ein Gestaltwandler, der seine Botschaften drehte und wendete und sich selbst immer wieder für den Moment passend neu ausrichtete“, kritisierte die „Detroit Free Press“ - immerhin die Zeitung seiner Geburtsstadt.

Zudem verschlimmerte Romney das Image des herzlosen Millionärs mit rhetorischen Ausfällen. Das heimlich aufgenommene Video, in dem er vor reichen Geldgebern 47 Prozent der Wähler als unregierbare Sozialschmarotzer abtat, könnte als der Moment in die Geschichte eingehen, in dem Romney die Wahl verloren hat. Vor allem, weil seine nur wenig später widerwillig veröffentlichten Steuererklärungen zeigten, dass er einen geringeren Steuersatz zahlt als Durchschnittsbürger. (Von Marco Mierke, dpa)

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