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US-Wahlkampf : In Ohio muss Romney Obamas Brandmauer einreißen

05.11.2012 00:00 Uhrvon
Herausforderer Mitt Romney wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl. Foto: ReutersBild vergrößern
Herausforderer Mitt Romney wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl. - Foto: Reuters

Es ist eine hundertjährige Regel: Wer in Ohio die Mehrheit gewinnt, der regiert das Land. Deshalb sind Präsident Obama und sein Herausforderer Mitt Romney in den letzten Tagen des Wahlkampfs in keinem Bundesstaat so präsent wie hier. Eine Reportage aus einem Landstrich, in dem es sich die Menschen gerne auch mal anders überlegen.

Für Glenyce Rodenbough, eine schlanke Frau mit schulterlangen grauen Haaren, hat das ganze Übel mit Barack Obama begonnen: die hohe Arbeitslosigkeit, die Verschuldung, Amerikas schleichender Abstieg in der Welt. „Unsere Verbündeten lieben uns nicht mehr, unsere Feinde fürchten uns nicht mehr“, schimpft sie. Aber nächsten Dienstag werde alles anders. Dann wähle Amerika einen neuen Präsidenten, Mitt Romney: Das steht für Glenyce fest.

Und die Entscheidung werde hier in Ohio fallen.

Glenyce Rodenbough ist Ende 50 und wohnt am östlichen Stadtrand von Columbus, der Hauptstadt Ohios, in Etna. Die Vorortsiedlung mit kleinen Einfamilienhäusern und gepflegten Vorgärten ist der Inbegriff amerikanischen Lebens. Glenyce hat drei Kinder, von denen das Älteste die ersten Berufsjahre gemeistert hat. Keine einfache Sache in der Wirtschaftskrise.

Nur 45 Kilometer Richtung Nordwesten, auf der anderen Seite der Stadt, liegt Hilliard. Dort ist Sharon Harris zu Hause. Sie hat mit Glenyce vieles gemein. Auch sie ist Ende 50 und Mutter von drei Kindern, von denen die Jüngeren noch studieren oder bei der Armee sind. Auch sie sorgt sich um Amerikas Zukunft. Dennoch trennen die beiden Frauen Welten. Sobald die Sprache auf die Politik kommt, werden sie unversöhnlich.

Der Wahlkreis um Etna, wo Glenyce lebt, ist republikanisches Stammland. Hilliard dagegen hat 2008 zu 59 Prozent für die Demokraten gestimmt. Aber so ist das in Ohio. Auf engstem Raum in diesem riesigen Land verlaufen hier die parteipolitischen Trennlinien. Und weil es so eng ist, verschieben sie sich zuweilen. Keinem anderen Bundesstaat widmen der Präsident und sein Herausforderer deshalb vor der Wahl so viel Zeit und Energie. In Ohio schalten sie die meisten Fernsehanzeigen. Und viele Bürger nehmen das Telefon schon nicht mehr ab wegen der „Robocalls“, den automatischen Anrufen mit politischen Botschaften.

Nun steht Glenyce Rodenbough in der Montagehalle von Screen Machine Industries und freut sich auf Romneys Wahlkampfauftritt. Sie hat zwei Freundinnen im Schlepptau und trägt ein dunkelblaues T-Shirt mit der Aufschrift „Clean Coal“. Wer wie sie hierher kommt, ist bereits überzeugt und möchte in seiner Weltsicht bestätigt werden. Obama treibe die amerikanische Kohleindustrie mit überzogenen Umweltauflagen in den Ruin, ärgert sie sich nun. Screen Machine Industries stellt Fördermaschinen für den Bergbau her, einige davon stehen im Hintergrund der für Romneys Rede errichteten Tribüne. Sie tragen markige Namen wie „Scalper 77“.

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Für Mitt Romney ist es eine Rückkehr. Am selben Ort hatte er vor 464 Tagen seinen ersten Wahlkampfauftritt in Ohio. Zum Dank für die Unterstützung durfte Firmenchef Steven Cohen zu bester Fernsehzeit auf dem Republikanischen Parteitag in Tampa sprechen. Als Blickfang für die Fernsehkameras haben die Wahlkampfregisseure jetzt eine Fahne im XXL-Format an die Hallenwand gehängt. Davor baumeln vier goldene Großbuchstaben von der Decke: J-O-B-S. Der populäre Disc-Jockey des Lokalradios bringt die 2800 Republikaner in der Halle mit Romneys Kampagnensong in Stimmung: „Born Free“ von Kid Rock.

Romney tritt auf im weißen Hemd und mit gestreifter Krawatte. Das Jacket hat er zuvor abgelegt, die Hemdsärmel hochgekrempelt. Die Inszenierung zeigt den Manager als zupackenden Macher, und der rechnet vor allem mit vier Jahren Obama ab. Versöhnung sei versprochen worden, aber das Land sei nur noch tiefer gespalten. Obama wollte Jobs schaffen, aber die Arbeitslosenrate ist heute höher als bei seinem Amtsantritt. Das größte Übel sei die Gesundheitsreform, ein wahrer „Jobkiller“. Die Schulden habe er nicht halbiert, sondern dramatisch gesteigert. Das Benzin sei heute auch teurer als früher. „Herr Präsident, Erfolg erreicht man nicht durch Reden, sondern durch Taten.“

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Unser/e Leser/in ostsee meint zum Artikel: Startbahn Sehnsucht:
Ausgerechnet die allerhässlichsten und nichtssagendsten Bauten der DDR werden jetzt unter Denkmalschutz gestellt. Damit soll wohl noch einmal so richtig die Öde der DDR als Abschreckung erhalten werden?! Nachdem man Palast der Republik und Ahornblatt nicht für erhaltenswert gehalten und schnell entsorgt hat, können diese grauenhaften Platten nun auch weg.
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