Politik : Vater des kubanischen Flüchtlingsjungen trifft in Washington ein

Die in Miami lebenden Verwandten des sechsjährigen wollen seine Heimkehr nach Kuba nicht mit Gewalt verhindern

Der Vater des kubanischen Flüchtlingsjungen Elian Gonzalez ist am Donnerstag in den USA eingetroffen, um seinen Sohn abzuholen. Damit erreichte der internationale Sorgerechtsstreit um den Sechsjährigen einen neuen Höhepunkt. Wann genau und an welchem Ort das Wiedersehen zwischen Vater und Sohn stattfinden wird, war aber weiter offen.

Die gecharterte Maschine mit Juan Miguel Gonzalez, seiner zweiten Frau und ihrem sechs Monate alten gemeinsamen Sohn landete am frühen Morgen (Ortszeit) auf dem internationalen Flughafen von Washington. Die Familie wurde von ihrem US-Anwalt Gregory Craig, dem Leiter der kubanischen diplomatischen Interessenvertretung in den USA, Fernando Remirez, und einem großen Presseaufgebot erwartet. Während ihres Aufenthaltes in den USA wird sie entweder in der Residenz von Remirez in einem Washingtoner Vorort oder in der Interessenvertretung des Landes in der US-Hauptstadt wohnen.

"Das Kind muss zu seinem Vater zurückkehren", forderte Juan Miguel Gonzalez kurz nach der Landung in einer vorbereiteten Erklärung. "Für 137 Tage bin ich von meinem Sohn getrennt worden." Er kritisierte, dass die Tragödie politisch missbraucht worden sei. Elian lebt seit Ende November bei Verwandten in Miami (Florida). Seine Mutter und sein Stiefvater waren damals mit ihm aus Kuba geflüchtet und dabei ertrunken. Das Kind konnte gerettet werden und steht seitdem im Mittelpunkt des erbitterten Sorgerechtsstreits.

Die US-Einwanderungsbehörde INS hat verfügt, dass Elian zu seinem in Kuba lebenden leiblichen Vater Juan gehört. Ein US-Bundesgericht hat dies bestätigt, aber Elians Verwandte in Miami haben die Entscheidung angefochten. Das Berufungsverfahren ist zurzeit noch anhängig.

Die überraschende Reise von Gonzalez und seinen engsten Angehörigen war von Anwalt Craig am Vortag in Kuba ausgehandelt worden. Der Jurist war in Havanna auch mit Partei- und Staatschef Fidel Castro zusammengetroffen. Bis dahin hatte es in Washington geheißen, dass Gonzalez nur im kleinen Kreis von engsten Angehörigen und Vertrauten kommen werde, wenn er Elian unverzüglich nach Hause zurück bringen könne. Werde er gezwungen, auf das Ende des anhängigen Berufungsverfahrens zu warten, wolle er mit einer größeren Gruppe kommen. In Zusammenhang mit Elian waren in Havanna US-Einreisevisa für 28 Kubaner beantragt worden. Sechs davon wurden von der zuständigen Washingtoner Behörde zunächst genehmigt, darunter für Elians Vater, Stiefmutter und Halbbruder.

Castro hatte Juan Miguel Gonzalez auf dem Flughafen von Havanna persönlich verabschiedet. Der kommunistische Führer sagte, der inzwischen vier Monate dauernde Kampf um Sorgerecht und Aufenthaltsort des Jungen habe die Kubaner mehr über die "Krankheiten des Imperialismus" gelehrt als die vorangegangenen vier Jahrzehnte amerikanisch-kubanischer Feindschaft.

Ein Anwalt der Verwandten in Miami, Spencer Eig, versichert, dass sich die Angehörigen nicht gewaltsam gegen eine Übergabe des Kindes an den leiblichen Vater wehren würden. "Es wird nur Tränen geben, viele Tränen und Trauer", sagte Eig am Mittwochabend. Auch ein Vertreter der Exilkubaner-Gruppen in Florida, die Elians Rückkehr bisher vehement bekämpft haben, erklärte, es werde keine Gewalt geben. Die Exil-Kubaner würden aber klar machen, dass die Rückführung des Kindes in die bankrotte kommunistische Diktatur in Kuba eine Tragödie sei.

Der amerikanische Anwalt des Vaters, Craig, sagte in Washington, er erwarte von der US-Einwanderungsbehörde, sofort das Sorgerecht für Elian auf dessen Vater zu übertragen. Dieser werde solange in den USA bleiben, bis dieses Ziel ereicht sei. Die US-Einwanderungsbehörde INS begrüßte die Reise von Elians Vater. Eine Sprecherin nannte diese eine positive Entwicklung, die die Zusammenführung von Vater und Sohn erleichtere. Ziel der Behörde sei es, in Zusammenarbeit mit Elians Verwandten in Florida eine ruhige und geordnete Übergabe Elians an seinen Vater zu ermöglichen. Gespräche zwischen der INS und den US-Verwandten Elians hatten am Mittwoch keine Einigung gebracht, sollten aber am Donnerstag fortgesetzt werden.

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