Vatikan : Der Papst vergrault Italiens Juden

Italiens Juden haben dem Papst die Zusammenarbeit aufgekündigt. Venedigs Oberrabbiner Elia Enrico Richetti begründet "unser Nein" damit, dass es der Papst "am einfachsten Respekt" gegenüber den Juden fehlen lasse.

Paul Kreiner

Rom - Papst Benedikt XVI. neigt dazu, im Namen einer höheren theologischen Klarheit seine irdischen Glaubensnachbarn zu vergraulen. Das war im Sommer 2000 so, als der damalige Kardinal Joseph Ratzinger mit der Erklärung „Dominus Iesus“ den Protestanten das „Kirchesein im eigentlichen Sinne“ absprach, das wiederholte sich im September 2006 gegenüber den Muslimen mit jenem verfänglichen Regensburger Zitat zu Mohammed.

Jetzt haben Italiens Juden der Kirche die Zusammenarbeit aufgekündigt. Venedigs Oberrabbiner Elia Enrico Richetti begründet „unser Nein“ damit, dass es der Papst „am einfachsten Respekt“ gegenüber den Juden fehlen lasse. Den Dialog betrachte Benedikt als „unnütz“, weil „auf jeden Fall die Überlegenheit des christlichen Glaubens“ bezeugt werden müsse, schreibt Richetti: „Das läuft hinaus auf die Auslöschung von 50 Jahren Kirchengeschichte.“

Richetti schreibt – im Jesuitenmagazin „Popoli“ – nicht für sich allein, sondern für die Versammlung der italienischen Rabbiner, die schon im November die Zusammenarbeit „auf Zeit ausgesetzt“ hatte. Die Rabbiner stoßen sich an zwei Elementen. Da ist zum einen die vom Vatikan massiv betriebene Kampagne zur umfassenden Rehabilitierung und zur Seligsprechung von Papst Pius XII. – den jüdische Kreise beschuldigen, zum Holocaust geschwiegen zu haben. Benedikt XVI. selbst hat bisher weder für noch gegen diese Seligsprechung gesprochen. Da ist vor allem aber jene umstrittene „Karfreitagsfürbitte“, die in der Tat eine persönliche Entscheidung Benedikts war, und die selbst im Vatikan mit Stirnrunzeln aufgenommen worden ist – nicht zuletzt vom „Ökumeneminister“, Kardinal Walter Kasper. Diese Fürbitte ist historisch belastet, weil sie ursprünglich für die „treulosen Juden“ und deren Bekehrung gebetet wurde und als liturgische Bündelung des katholischen Antijudaismus galt.

Was all das auf höherer Ebene bedeutet, ist noch unklar: Dieses Jahr soll Benedikt XVI. nach Israel reisen. Anfangs war von Mai die Rede, aber womöglich wird es nun Herbst. Diplomatische Begründungen liegen auf der Hand: der Gazafeldzug, die politische Unsicherheit. 

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