Vatikan : Papst eröffnet Jahr des Glaubens

Papst Benedikt XVI. beobachtet "geistliche Verwüstung". Er sieht aber auch Hoffnung.

von

Rom - Mit einem feierlichen Gottesdienst auf dem Petersplatz in Rom hat Benedikt XVI. am Donnerstag an das Zweite Vatikanische Konzil erinnert, dessen Eröffnung sich an diesem Tag zum 50. Male jährte. Gleichzeitig leitete der Papst, umgeben von vielen Kardinälen und einigen hundert Bischöfen aus der Weltkirche, ein „Jahr des Glaubens“ ein. Dieses soll neben einer innerkirchlichen Selbstbesinnung auch eine „Neuevangelisierung“ in den zunehmend entchristlichten Teilen der modernen Gesellschaft bewirken und bis zum Ende des regulären Kirchenjahrs im November 2013 dauern.

Das Zweite Vatikanische Konzil, die mit mehr als 2500 Bischöfen größte und bedeutendste Kirchenversammlung der Neuzeit, dauerte in vier Sitzungsperioden von 1962 bis 1965. Die katholische Kirche öffnete sich darin dem Dialog mit der modernen Welt, erneuerte die Form ihres Gottesdienstes und stellte die Beziehungen zu anderen christlichen Konfessionen, sowie zum Judentum und den anderen Religionen auf eine neue, freundschaftliche Basis.

Angesichts der innerkirchlichen Kontroversen um die tatsächliche Reformbedeutung und den Stand der Umsetzung der Konzilsbeschlüsse warnte Benedikt „vor den Extremen anachronistischer Nostalgien einerseits und eines Vorauseilens andererseits“. Er sagte: „Wir müssen dem Heute der Kirche treu sein, nicht dem Gestern oder dem Morgen.“ Der Papst hat persönlich – als gut 30-jähriger Theologieprofessor und Fachberater – zu den Reformbeschlüssen des Konzils erheblich beigetragen. Heute hält Joseph Ratzinger Kirchenreformen für sinnlos, solange die „Glaubenskrise“ andauere.

In den vergangenen Jahrzehnten, so beklagte Benedikt XVI. bei seiner Predigt am Donnerstag, sei eine „geistliche Verwüstung vorangeschritten“; auch in der Kirche hätten „viele die herrschende Mentalität angenommen und die Fundamente des Glaubensschatzes infrage gestellt“. Der Papst sieht allerdings auch Hoffnung: „In der Wüste entdeckt man den Wert dessen, was zum Leben wesentlich ist.“ Paul Kreiner

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

2 Kommentare

Neuester Kommentar