Vatikan : Papst schickt Delegation nach Syrien

"Wir können nicht einfache Zuschauer der Tragödie sein" - Eine Delegation des Vatikans soll in den kommenden Tagen ins Bürgerkrieg-geplagte Syrien reisen. Die Vereinten Nationen mahnen derweil zunehmende Menschrechtsverletzungen in dem Land an.

Papst Benedikt XI.
Papst Benedikt XI.Foto: dpa

Papst Benedikt XVI. schickt in den kommenden Tagen eine Delegation nach Syrien. Der Papst wolle auf diese Weise „seine brüderliche Solidarität mit der ganzen Bevölkerung“ Syriens zum Ausdruck bringen, erklärte Kardinal Tarcisio Bertone am Dienstagabend im Rundfunksender Radio Vatikan. "Wir können nicht einfache Zuschauer der Tragödie sein, die sich in Syrien abspielt“, erläuterte Bertone angesichts des blutigen Konflikts in Syrien, der bereits seit dem März 2011 andauert. Nach den Zusammenstellungen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London wurden seither insgesamt 33.000 Menschen getötet.

Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen werden die Menschenrechte in Syrien derweil immer mehr mit Füßen getreten. „Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen hat in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen“, sagte der brasilianische Diplomat Paulo Pinheiro am Dienstag in New York. „Mord, ungerechtfertigte Inhaftierung, sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Kinder - die Lage wird immer schlimmer.“ Zudem gebe es nach wie vor Angriffe auf Wohnviertel mit vielen Opfern. Pinheiro ist Chef einer vierköpfigen Mission, die im Auftrag der UN Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentiert.

„Die Kriegsverbrechen werden vor allem durch Regierungstruppen verübt“, sagte Pinheiro. Es gebe allerdings auch Vergehen der Opposition. „Aber die Dimension ist doch eine ganz andere.“ Die Rebellen der Freien Syrischen Armee hätten sich selbst einem Kodex verschrieben, um Zivilisten zu schützen. „Wir haben davon aber noch keine Auswirkungen gespürt“, sagte Pinheiro weiter. Die UN-Mission hat für ihren Report nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten 1100 Gespräche geführt, vor allem mit Flüchtlingen oder per Internettelefonie auch mit Menschen in Syrien.

Pinheiro warnte vor dem Einfluss von Islamisten, die aus dem Ausland nach Syrien kämen. „Sie sind eine treibende Kraft. Sie sind keine machtvolle Armee, aber es sind dennoch Hunderte.“ Sie kämpften zwar gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad, hätten aber nicht die gleichen Ziele wie die Opposition. „Sie kämpfen gewiss nicht für Demokratie, sie haben ihre eigene Agenda. Ihre Präsenz betrachten wir als große Gefahr in einem ohnehin unberechenbaren Konflikt.“ (AFP/dpa)

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