Vatikan : Papst spricht Johannes Paul am 1. Mai selig

Benedikt XVI. ehrt seinen Amtsvorgänger. Mit der Seligsprechung bescheinigt die Kirche amtlich, dass der Betreffende vorbildlich gelebt hat und nun von den Gläubigen verehrt oder um Fürsprache bei Gott angerufen werden darf.

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Zur Heiligkeit müsste noch ein Wunder nachgewiesen werden.
Zur Heiligkeit müsste noch ein Wunder nachgewiesen werden.Foto: AFP

Rom - Exakt sechs Jahre nach seinem Tod wird Papst Johannes Paul II. befördert – und das gleich in doppelter Hinsicht: zum einen bekommt er nach der drangvollen Enge in den Gruften des Petersdoms nun endlich ein Grab oben, im größten christlichen Gotteshaus der Welt. Vor allem aber wird er „zur Ehre der Altäre erhoben“. Am 1. Mai will Benedikt XVI. seinen Vorgänger seligsprechen. Das hat der Vatikan am Freitag verkündet.

Die Umbettung war überfällig. Des unablässigen, starken Pilgerstroms wegen konnten die teils von weither angereisten Gläubigen zeitweise nicht einmal mehr vor der Grabnische Johannes Pauls II. beten. Die Seligsprechung war jedoch zuletzt ins Stocken geraten. Dass Leben und Werk Karol Wojtylas kirchlicherseits über jeden Moral- oder Lehr-Zweifel erhaben waren, das hatten Untersuchungskommissionen in Krakau und Rom zwar bestätigt, und Benedikt XVI. hatte seinem Vorgänger daraufhin, im Dezember 2009, den zur Seligsprechung erforderlichen „heroischen Tugendgrad“ bescheinigt.

Das zusätzlich verlangte Heilungswunder jedoch, das schon als gesichert galt, wurde medizinisch hinterfragt: Eine französische Nonne soll nach einem Gebet zum verstorbenen Papst schlagartig und in wissenschaftlich unerklärlicher Weise von einer besonders aggressiven Form von Parkinson genesen sein, also derselben Krankheit, an der auch Karol Wojtyla in den Jahren vor seinem Tod gelitten hatte. Ein Arzt in der kirchlichen Untersuchungskommission, so heißt es, habe dann doch Zweifel angemeldet; es kam Ende 2010 zu einer zweiten Prüfung. Erst als die vatikanische Heiligsprechungskongregation am Dienstag das Wunder bestätigte, stand der „Beatifikation“ Johannes Pauls II. nichts mehr im Wege.

Zu diesem Zeitpunkt waren dann auch die vatikanischen Zweifel darüber ausgeräumt, ob es ein Jahr nach dem weltweiten Auffliegen der großen Missbrauchsskandale überhaupt angebracht sei, Johannes Paul II. seligzusprechen. Schließlich hatten sich viele der Fälle in seiner Amtszeit ereignet – und der Verdacht besteht, die Kurie seinerzeit habe verbrecherische Priester gedeckt oder eine Aufklärung hintertrieben.

Angesichts der zahlreichen „Santo Subito“-Fahnen auf dem Petersplatz bei der Beerdigung Johannes Pauls II. hatte Benedikt XVI. die Seligsprechung bereits im Mai 2005 eingeleitet – einen Monat nach dem Tod Wojtylas und ohne die kirchenrechtlich vorgesehene Sperr- und Klärungsfrist von fünf Jahren abzuwarten.

Mit der Seligsprechung bescheinigt die Kirche amtlich, dass der Betreffende vorbildlich gelebt hat und nun von den Gläubigen verehrt oder um Fürsprache bei Gott angerufen werden darf. Diese Erlaubnis gilt bei Seligen eigentlich nur in deren Heimatregion, bei einem Papst wäre eine „polnische Beschränkung“ allerdings widersinnig. Die Seligsprechung ist vielfach die erste Stufe zur Heiligsprechung; für diese aber muss Johannes Paul II. ein weiteres Wunder nachgewiesen werden.

Das große Fest nun hat Benedikt auf den 1. Mai gelegt. Zu den Beerdigungsfeierlichkeiten 2005 waren etwa drei Millionen Pilger angereist.

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