Politik : Vatikan und Peking wollen mehr reden

Paul Kreiner

Rom - Der Vatikan will seine heiklen Beziehungen zur Volksrepublik China „auf verschiedenen Ebenen normalisieren“. Er bietet dazu einen „respektvollen und konstruktiven Dialog mit den Regierungsbehörden“ in Peking an, um „die Missverständnisse aus der Vergangenheit zu überwinden“. Dies ist das offizielle Ergebnis einer Klausur zwischen chinesischen Bischöfen und vatikanischen Spitzendiplomaten unter Kardinal Tarcisio Bertone, dem Chefpolitiker des Papstes. Mit dem knapp zweitägigen Treffen im Vatikan wollten Benedikt XVI. und Bertone am Wochenende die Positionen der chinesischen Bischöfe sondieren und ihren Kurs gegenüber Peking abstecken. Praktisch bedeutet das Ergebnis, dass der Vatikan seine Linie beibehält und dem Drängen nach größerer Härte, wie sie etwa der Hongkonger Kardinal Joseph Zen Ze-kiun verlangt hatte, nicht nachgibt.

Nach einer leichten ideologischen Öffnung Chinas gegenüber den Religionen treten die Beziehungen zwischen Peking und dem Vatikan auf der Stelle. Beide Seiten beschuldigen sich schwerwiegender Einmischung in innere Angelegenheiten: China duldet traditionell keine „fremdregierte“ Körperschaft, Rom nimmt es nicht hin, dass Peking eine nationale, vom Vatikan distanzierte Gegenkirche einrichtete. Die „Patriotische Vereinigung“ ist der Politik unterstellt; Auswahl und Ausbildung von Priestern sowie die Ernennung von Bischöfen übernimmt die Kommunistische Partei. Der Vatikan sieht darin eine schwere Verletzung der Religionsfreiheit.

In China leben nach Schätzungen etwa vier Millionen Katholiken, die sich zur „Patriotischen Vereinigung“ zählen, und etwa zehn Millionen Rom-Treue, die ihren Glauben im Untergrund ausüben. Die Rom-Treuen sowie ihre verborgenen Bischöfe und Priester sind immer wieder Opfer politischer Repressalien, psychischer und physischer Gewalt sowie langjähriger Inhaftierungen. Zusammen zählen die Katholiken etwa ein Prozent der chinesischen Bevölkerung.

In der Praxis findet in China aber eine Art Vereinigung von unten statt: Viele Bischöfe der „Patriotischen Vereinigung“ bemühen sich um nachträgliche, persönliche Anerkennung durch den Papst; Gläubige sehen sich als romtreu. So stellt das Kommuniqué nach der Klausur im Vatikan nun „mit besonderer Freude“ fest, „dass sich heute fast die Gesamtheit der Bischöfe und Priester in Gemeinschaft mit dem Papst befindet.“

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