Politik : VEB Kanzleramt

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es war nicht alles schlecht in der DDR, und für die Einheit kann es nur gut sein, wenn sich das auch unter Sozialdemokraten herumspricht. Zwar hat den ersten grünen Pfeil in Westdeutschland, der das Rechtsabbiegen auch bei roter Ampel erlaubt, Anfang der 90er Jahre in Bonn ein CDU-Oberbürgermeister enthüllt. Doch je näher der Termin der Bundestagswahl rückt, setzt auch die SPD Ost-Signale. Schon im März kämpften die Genossen bei einem Sonderparteitag in Magdeburg um die Gunst der Ost-Bürger, und demnächst soll der Altministerpräsident Stolpe im Neue-Länder-Wahlkampf groß herausgestellt werden.

Weniger bekannt ist, dass die SPD auch ein Herz für die kleinen Dinge aus dem Osten entdeckt hat. Schon vor einigen Wochen, bei einem Empfang im Willy-Brandt-Haus in Berlin, tauchten an der Getränketheke Flaschenöffner aus volkseigener Produktion auf, Marke Record, und mit einem ausgewiesenen Einheitsverkaufspreis von EVP -,45 M. Sichtlich erfreut philosophierte Bundestagspräsident Thierse noch vor Ort über die DDR-Konsumgüterproduktion.

Inzwischen zeigt sich, dass die SPD-Ostalgiker es mit der Verbreitung von DDR-Ware in der Parteizentrale nicht haben bewenden lassen. Auch im Bundeskanzleramt, und dort ausgerechnet im Internationalen Konferenzsaal, lagen die Ost-Flaschenöffner jüngst auf den Tischen. Trägt die Arbeit des Ost-Beauftragten Schwanitz endlich Früchte, macht der Kanzler jetzt Ernst mit der Chefsache Ost? Ein Anfang immerhin scheint gemacht. Beim nächsten Empfang erwarten wir weitere Fortschritte – etwa mit Alekto-Aluminiumbesteck oder dem Geschirr aus dem Palast der Republik. Matthias Meisner

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