Politik : Vendrell gegen die Weltbank

Ashwin Raman

Offiziell hieß es, Francesc Vendrell sei im Einvernehmen nach Erfüllung seiner Pflichten zurückgetreten. Der angesehenen pakistanischen Zeitung "The News" zufolge ist er jedoch aus Protest zurückgetreten. Anfang Dezember lag sein Rücktrittsgesuch schon auf dem Tisch, wurde aber nicht publik gemacht, um Unstimmigkeiten beim Antritt der Interimsregierung am 22. Dezember in Kabul zu vermeiden.

Vendrell soll mit den amerikanischen Plänen zum Wiederaufbau Afghanistans nicht einverstanden sein. Die USA möchten, dass die Weltbank für den Wiederaufbau zuständig ist. Vendrell allerdings ist der Meinung, dass die UN, die auch das Bonner Treffen auf dem Petersberg organisiert hat, die Hauptverantwortung für den Wiederaufbau übernehmen soll. Da die USA ihre Vorstellungen ohnehin durchsetzen würden, sah er keinen Sinn mehr darin, in seinem Amt zu bleiben, hieß es.

Es gab weitere Unstimmigkeiten am Rande der Feierlichkeiten in Kabul. Pakistans Außenminister Abdul Sattar wurde von Kabuls Polizeichef Abdul Basir geraten, der Vereidigung fern zu bleiben. "Sollte er trotzdem kommen, kann ich für seine Sicherheit nicht garantieren. Es gibt sogar unter meinen Leuten welche, die ihn umbringen wollen. Der Hass gegenüber den Pakistanis ist zurzeit groß", so Abdul Basir. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, Gulbuddin, sagte jedoch: "Sollte Sattar kommen, werden wir ihm einen herzlichen, afghanischen Empfang bereiten." Polizeichef Basir meinte dazu, dass Gulbuddin selbst zusehen solle, wie er Sattar schützen könne. Sattar selbst erschien zu den Feierlichkeiten jedoch nicht.

Basirs Vorbehalt wurde von den Bürgern Kabuls bestätigt. Alema Azizi, eine Lehrerin sprach für viele als sie sagte:" Durch Pakistans Unterstützung der Taliban ist unser Land in Dunkelheit geraten. Wir wollen sie nicht mehr hier sehen." In Pakistan jedoch sind die Taliban immer noch angesehen. Laut einer BBC-Umfrage befürworten 43 Prozent der Befragten eine Taliban-Regierung in Afghanistan, 32 Prozent die Interimsregierung, sieben Prozent eine Taliban-Nordallianz-Koalition und drei Prozent eine Nordallianz-Regierung. Befragt wurden 500 Männer und 500 Frauen.

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