Venezuela : Erneut Proteste gegen Chávez

Kaum eine Woche nach den letzten Demonstrationen haben venezolanische Studenten erneut gegen die von Präsident Hugo Chávez geplante Verfassungsänderung demonstriert. Wieder gab es Unruhen und wieder gab es Verletze, angeblich sogar einen Toten.

Studentenproteste in Venezuela
Caracas: Studenten protesieren gegen Chávez. -Foto: AFP

In Venezuela haben Unbekannte nach dem Ende einer friedlichen Kundgebung den Campus der "Universidad Central de Venezuela" (UCV) in Caracas gestürmt und auf oppositionelle Studenten geschossen. Mindestens acht Demonstranten sollen verletzt worden sein, nach Angaben des Zivilschutzes gibt es auch einen Toten. Die Opposition machte die Regierung von Linksnationalist Hugo Chávez für den Angriff verantwortlich.

"Bewaffnete Gruppen haben auf Studenten geschossen, die von einer friedlichen Demonstration zurückgekommen sind", sagte ein Mitglied der Unileitung dem Fernsehsender Globovision. Die Angreifer zündeten dem Bericht zufolge einen Bus an und setzten Tränengas ein. Erst am vergangenen Donnerstag war eine Protestkundgebung von Tausenden Studenten von der Polizei gewaltsam aufgelöst worden. Zehn Menschen wurden dabei verletzt. Gestern verhinderte zunächst die starke Polizeipräsenz Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Chávez-Anhängern. Innenminister Pedro Carreño sprach von einem Versuch "zur Destabilisierung der Demokratie".

Widerstand gegen Verfassungsreform

Am 2. Dezember sollen die Bürger Venezuelas über die Verfassungsreform abstimmen, die unter anderem die mehrfache Wiederwahl von Chávez ermöglichen soll. Die Studenten forderten bei ihrem Protest vor dem Obersten Gericht eine Verschiebung der Volksbefragung. Die Venezolaner müssten vor dem Referendum besser informiert werden, meinten sie.

Der Reformentwurf wurde im Oktober vom Parlament gebilligt. Er sieht unter anderem auch die Abschaffung der Autonomie der Zentralbank vor. Chávez will mit der Reform nach eigenen Angaben den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" in der Verfassung verankern und die Bekämpfung der Korruption verbessern. Die Opposition beschuldigt Chávez jedoch eines „diktatorischen Regierungsstils".

In Venezuela kann ein Präsident bisher nur ein Mal wieder gewählt werden. Demnach würde die Amtszeit von Chávez, der für seine angestrebte sozialistische Demokratie inzwischen unter anderem die Ölindustrie verstaatlicht hat, 2012 endgültig zu Ende gehen. (mit dpa/afp)

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