Venezuela : Massenproteste gegen Chavez

Es geht um das politische Schicksal von Präsident Hugo Chavez: Stimmen die Venezolaner am Sonntag für einen Entwurf zur Verfassungsänderung, dann kann sich der Staats- und Regierungschef nach Ende seiner Amtszeit 2012 erneut zur Wiederwahl stellen. Sagt das Wahlvolk Nein, endet seine Regierungszeit in drei Jahren.

Caracas/Berlin - Bereits 2007 ließ der Linkspopulist seine Landsleute über eine unbegrenzte Wiederwahl abstimmen – und verlor. „Nein ist Nein“, lautet daher das Motto jener Studenten, Professoren und Oppositionellen, die dieser Tage immer wieder zu Hunderttausenden in Venezuelas Hauptstadt Caracas gegen den Präsidenten protestieren.

Die Stimmung ist aufgewühlt. Eine Prognose zum Ausgang der Wahl schwierig. Die Spannung entlädt sich immer wieder in Gewaltakten, unter anderem auch gegen religiöse Einrichtungen: Binnen weniger Wochen wurde die päpstliche Nuntiatur in Caracas zweimal Ziel von Angriffen mit Tränengas. Zudem wurde die Synagoge der Hauptstadt verwüstet. Vor dem Hauptquartier einer Oppositionspartei explodierte eine Granate. Mehrfach wurden die Quartiere von Regierungskritikern mit Tränengaskanistern beworfen.

Für Chavez geht es um Alles oder Nichts. Der „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ in Venezuela ist aufs Engste mit seinem Namen verwoben und ohne ihn schwer vorstellbar. Nachfolger sind nicht in Sicht. Die Opposition ist schwach und zerstritten. Die Sicherheitslage in der Millionen-Metropole Caracas ist dramatisch. Mit rund 130 Morden auf 100 000 Einwohner im Jahr gehört die Stadt zu den gefährlichsten Lateinamerikas. Die Inflation liegt bei 30 Prozent und die Zeiten, in denen die Regierung finanziell aus dem Vollen schöpfen konnte, scheinen erst einmal vorbei. Der Ölpreis dümpelt bei rund 40 Dollar je Fass und lässt Venezuelas Haupteinnahmequelle damit zum Rinnsal werden. Mit dem Referendum tritt Chavez in schwierigen Zeiten wieder einmal die Flucht nach vorne an und setzt dabei auf das Motto seines Vorbildes Fidel Castro: „Socialismo o muerte“ – Sozialismus oder Tod. mis/dpa

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