Venezuela : Wahlsieg als Botschaft an den "Teufel"

Venezuelas wiedergewählter Volkstribun Hugo Chávez hat seinen Sieg mit gewohnt markigen Worten gegenüber US-Präsident Bush garniert. Für den "Soldaten des Volkes" haben offenbar vor allem die Armen gestimmt.

Caracas - Kaum war sein Sieg offiziell, schickte Hugo Chávez wieder wütende Botschaften an die Adresse von US-Präsident George W. Bush. Sein Triumph sei ein Sieg der Revolution und eine "weitere Niederlage für den Teufel, der vorgibt, die Welt zu beherrschen", rief der wiedergewählte Präsident Venezuelas begeisterten Anhängern zu. Vor allem die Sympathie in den Armenvierteln bescherte dem 52-Jährigen einen klaren Wahlerfolg: 61 Prozent stimmten nach vorläufigen Angaben der Wahlbehörde (CNE) für den seit acht Jahren regierenden Linkspopulisten. Herausforderer Manuel Rosales musste mit einem Rückstand von 23 Prozentpunkten seine Niederlage eingestehen.

Neben dem Rückhalt in der armen Bevölkerungsmehrheit Venezuelas sehen Beobachter vor allem das persönliche Charisma Chávez' als Grund für seinen politischen Erfolg. Für die venezolanische Professorin Vilma Petrash von der Universität Símon Bolívar in Caracas gehört er zum "Typ des nationalistischen lateinamerikanischen Caudillos" mit gewissen Ähnlichkeiten zum jungen kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro. Neben Castro und Lateinamerikas Unabhängigkeitsidol des 19. Jahrhunderts, dem in Caracas geborenen Simón Bolívar, nannte Chávez auch schon den früheren US-Präsidenten Bill Clinton als Vorbild.

2002 scheitert Putsch gegen Chávez

Chávez ist ein Kämpfer, der immer wieder auch Rückschläge einstecken musste. Im April 2002 schienen seine politischen Tage gezählt, als ihn die rechtsgerichtete Opposition mit Unterstützung der USA aus dem Amt putschte. Doch weniger als 48 Stunden später kehrte Chávez - getragen von der Sympathie seiner Anhänger und loyal zu ihm stehender Militärs - im Triumph in sein Amt zurück.

Chávez selbst hatte zehn Jahre zuvor einen gescheiterten Putsch gegen den damaligen sozialdemokratischen Präsidenten Carlos Andrés Pérez angeführt. Der Aufstand brachte ihm zwei Jahre Haft ein. Bevor er hinter Gittern verschwand, prophezeite er, dass er nur vorübergehend gescheitert sei. Was dem Fallschirmjäger-Offizier, der schon mit 17 Jahren bei der Armee anheuerte, bei seinem Putschversuch 1992 mit Gewalt nicht gelungen war, erreichte er sechs Jahre später auf demokratischem Wege: im Dezember 1998 wurde er mit großer Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt.

Alphabetisierungskampagne und bessere Gesundheitsversorgung

Der 52-Jährige bezeichnet sich als "Soldat des Volkes" und Anhänger eines "dritten Wegs" zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Im Zuge der von ihm propagierten "bolivarischen Revolution" versucht er, Elemente einer staatlich gelenkten Wirtschaft mit den Gesetzen des Marktes zu vereinbaren. Mit markigen Worten, in Hemdsärmeln und vorzugsweise mit seinem roten Militärbarett auf dem Kopf vermochte der Linkspopulist insbesondere die Armen für sich einzunehmen. Denn obwohl Venezuela durch seine riesigen Ölreserven zu den reichsten Ländern Lateinamerikas gehört, leben offiziellen Angaben zufolge 80 Prozent seiner Bevölkerung in Armut.

Chávez startete eine Alphabetisierungskampagne und setzte Reformen im Bildungswesen in Gang. Die medizinische Versorgung wurde bis in entlegene Regionen grundlegend verbessert - mithilfe von Gesundheitsposten, die durch 10.000 kubanische Ärzte betreut werden. In zahlreichen Armenvierteln lässt er die Bevölkerung mit Sozialprogrammen unterstützen, was diese mit ihren Stimmen danken: Seine Zustimmung von 56 Prozent bei der Präsidentschaftswahl 1998 konnte Chávez bei einer Volksabstimmung zwei Jahre später auf 59 Prozent ausbauen. Bei der Wahl am Sonntag stimmten nun mehr als 60 Prozent für sein - wie Chávez es nennt - "sozialistisches Projekt" und gegen den "amerikanischen Imperialismus". (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben