Venezuelas Präsident : Erkrankter Chavez lässt Termin für Rückkehr offen

Seit Wochen wird über den Gesundheitszustand von Venezuelas Präsident Chavez spekuliert. Nun redet er wieder zum Volk - und zeigt sich für seine Verhältnisse eher wortkarg.

Blass und angespannt wirkte Hugo Chavez während seiner jüngsten Fernsehansprache.
Blass und angespannt wirkte Hugo Chavez während seiner jüngsten Fernsehansprache.Foto: Reuters

Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat eine Krebserkrankung eingeräumt und damit die Spekulationen um seinen Gesundheitszustand beendet.
In einer emotionalen Fernsehansprache sagte der 56-Jährige in der Nacht zum Freitag, er sei während seines Kuba-Aufenthaltes an einem Tumor operiert worden. Die Genesung verlaufe “langsam und sorgfältig“.

Der linkspopulistische Präsident des erdölreichen südamerikanischen Staates machte keine Angaben dazu, wann er nach Venezuela zurückkehren werde. Offenbar um Befürchtungen eines Machtvakuums entgegenzutreten, erklärte Chavez aus Havanna, er werde "am Ruder der Regierung" bleiben und stehe in ständigem Kontakt mit Vize-Präsident Elias Jaua.

Angesichts seines Gesundheitszustands äußerten politische Beobachter Zweifel, ob sich Chavez im kommenden Jahr erneut zur Wahl stellen werde. Chavez zeigte sich überzeugt davon, dass er sich voll erholen werde.

Es sei ein "fundamentaler Fehler" gewesen, dass er seine Gesundheit über Jahre hinweg vernachlässigt habe, sagte der sichtlich abgemagerte Chávez in dem nur 15 Minuten dauernden vorab aufgezeichneten Beitrag. Der Präsident ist für seine sonst langen und improvisierten Ansprachen bekannt.

Chavez wurde erstmals 1998 zum Staatsoberhaupt gewählt und danach bereits zweimal im Amt bestätigt. Er sagte, er werde weiter behandelt, um "verschiedene Arten von Zellen zu bekämpfen" und deutete damit möglicherweise eine Chemotherapie an.

Seine Rede schloss er mit den Worten: "Wir werden leben und wir werden siegen. Bis zu meiner Rückkehr!"

Anhänger in Armenvierteln bejubeln Ansprache

In Venezuela wurde die Rede von vielen verfolgt. "Er lebt, er lebt!" jubelte eine Gruppe von Anhängern in Catia, einem Elendsbezirk der Hauptstadt Caracas. Insbesondere in der ärmeren Bevölkerung hat Chavez viele Anhänger, die ihm zugute halten, mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft Krankenhäuser und Schulen zu bauen. Der wichtigste Abnehmer des venezolanischen Öls sind die USA, die Chavez in der Vergangenheit immer wieder mit seinen Äußerungen provoziert hatte.

Seit der Operation am 10. Juni war Chavez nicht mehr öffentlich aufgetreten. Einen für den 5. Juli in Venezuela geplanten Regionalgipfel sagte die Regierung ab.

Vor Chavez' Erklärung hatte die venezolanische Regierung lediglich erklärt, der Präsident habe sich in Kuba wegen eines Beckenabszesses operieren lassen. Spekulationen über eine Krebserkrankung hatten Chavez' Anhänger als ein von der Opposition gestreutes Gerücht zurückgewiesen.

Auch an den Finanzmärkten werden Nachrichten über den Gesundheitszustand Chavez' mit großem Interesse verfolgt. Die Hoffnung, dass Chavez' Abwesenheit einen Wandel in der staatlich dominierten Wirtschaft des Landes beschleunigen könnte, hatte sich zuletzt positiv auf die Staatsanleihen ausgewirkt. (rtr/AFP)

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