Politik : Verbände der Industrie zerstritten

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Berlin - Im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gibt es kurz vor der geplanten Wiederwahl seines Präsident Jürgen Thumann Streit. Dabei geht es vor allem um die Annäherung zwischen BDI und der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA). Deren Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner, der für die CDU im Bundestag sitzt, soll die führende Rolle im gemeinsamen Präsidium übernehmen – sehr zum Unwillen vieler BDI-Mitglieder. Die fürchten, dass der eigene Verband unter die Räder kommt. Inzwischen kursieren verschiedene Briefe, in denen Thumann deshalb offen kritisiert wird. Ex-BDI-Präsident Michael Rogowski sagte dem Tagesspiegel: „Es kann nicht sein, dass Göhner als geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Obergeschäftsführer wird.“

BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg dementierte dagegen Gerüchte, er wolle wegen des Ärgers zurücktreten. „Ich trete nicht zurück und schon gar nicht aus Protest“, sagte er dem Tagesspiegel. Der 65-Jährige hatte eigentlich schon in diesem Jahr aufhören wollen, Thumann hatte den CDU-Politiker Norbert Röttgen als Nachfolger vorgesehen. Der verzichtete aber im Sommer nach harscher Kritik an seiner geplanten Doppelrolle als Wirtschaftslobbyist und Abgeordneter. Damals soll Thumann seinen Rücktritt angeboten haben. Nun steht mit der Personalie Göhner wenig später erneut eine umstrittene Doppelrolle zur Diskussion. Wartenberg sagte, trotzdem sei mit der Wiederwahl Thumanns am Montag „zu 100 Prozent“ zu rechnen.

Diese Einschätzung wird an anderer Stelle im Verband nicht unbedingt geteilt. Seit Thumanns Amtsantritt sei die Stimme des BDI in der Öffentlichkeit zu leise. Bei einer längerfristig nicht ausgeschlossenen Fusion der beiden Verbände könne der BDI untergehen, hieß es. Vor allem die mittelständischen Firmen in den Mitgliedsverbänden des BDI fürchteten, nicht mehr vertreten zu werden, wenn die Tarif- und Sozialpolitiker in den Spitzenverbänden das Regiment übernähmen. Ein Insider sagte: „Hier brennt die Hütte.“ uwe/mod

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