Politik : Verbot von Tributylzinn: Brüssel bremst Trittin

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Deutschland darf beim Verbot von Tributylzinn (TBT) als Schiffsanstrich nicht Vorreiter sein. Die Europäische Kommission hat den Eifer von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ausgebremst. Allerdings habe sich Brüssel, kritisiert Sprecher Jürgen Maaß, ziemlich lang Zeit gelassen. Jetzt lohne sich eine eigene Verordnung kaum noch. Denn schon in zwei Monaten will die Internationale Meeresorganisation (Imo) eine Empfehlung abgeben, von 2003 an auf das schwer abbaubare Gift zu verzichten. "Eine europäisch einheitliche Lösung ist natürlich besser", sagt Maaß. Das gilt allerdings nur für Schiffsanstriche.

Vor zwei Jahren hat TBT wochenlang Schlagzeilen gemacht. Das Gift war in Sporttrikots, Windeln und in Seefischen gefunden worden. Das Gift schädigt die menschliche Immunabwehr und führt bei kleinen Meerestieren zu einer Vermännlichung; sie können sich also nicht mehr fortpflanzen. Vor einem guten Jahr legte Jürgen Trittin eine Verordnung vor, mit der TBT in Deutschland spätestens 2003 als Schiffsanstrich verboten werden sollte. Zudem wollte Trittin die hormonell wirkende Chemikalie auch in Schwertextilien ersetzen. So sollten etwa Zeltstoffe nicht mehr mit TBT gegen Schimmel geschützt werden.

Diesen Plan muss Trittin nach dem Brüsseler Einspruch erst einmal fallen lassen. Ob das geplante Verbot des Gifts in Gebrauchsgegenständen "einfach in den Anhang der EU-Richtlinie aufgenommen wird" oder, ob das Umweltministerium das Problem einfach an das Verbraucherschutzministerium von Renate Künast (Grüne) weiterreicht, ist noch nicht entschieden. Vielleicht sollte sich der weltgrößte TBT-Hersteller, die Firma Crompton in Bergkamen, trotzdem nach Alternativen umsehen. Auch wenn Maaß einschränkt: "Von einem weltweiten TBT-Verbot sind wir noch weit entfernt."

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