Verdacht : Gorleben illegal zum Atomendlager ausgebaut

Für Jürgen Trittin war die Sache schon im Herbst 2004 klar: Der Ausbau des Gorlebener Salzstocks sei atomrechtlich nicht genehmigt und deshalb ein Schwarzbau. Was seinerzeit reichlich weit hergeholt klang, wird nun offenbar durch das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt.

Reimar Paul
Gorleben
Der Salzstock in Gorleben. -Foto: dpa

GorlebenWie die „Frankfurter Rundschau“ am Donnerstag berichtete, teilt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Ansicht, der Gorlebener Salzstock sei zumindest in Teilen illegal zu einem Endlager ausgebaut worden. Das Blatt berief sich auf ein internes Papier der Behörde. Darin heiße es wörtlich: „In Gorleben lagen die bisherigen Erkundungskosten außerordentlich hoch, was jedoch darin begründet liegt, dass hier parallel zur Erkundung bereits der Ausbau zum Endlager begonnen wurde.“

Das BfS bestätigte auf Anfrage, die in Gorleben bislang aufgelaufenen Kosten seien höher, als es für eine Erkundung im Rahmen eines Standortauswahlverfahrens notwendig sei. Die Schächte sowie die Größe der Salzhalde und der Gebäude seien bereits im Hinblick auf eine mögliche spätere Endlager-Nutzung geplant worden, sagte ein Sprecher. Eine Stellungnahme der Behörde mit den in der Zeitung zitierten Äußerungen gebe es jedoch nicht.

Atomkraftgegner aus der Region sehen sich in ihrer Kritik bestätigt. „Die Erkundungslüge ist nun aufgeflogen“, sagte Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Die Errichtung eines Endlagers ohne Eignungsaussage und ohne Planfeststellungsbeschluss sei rechtswidrig. Die Bürgerinitiative und atomkritische Landwirte riefen für den heutigen Freitag zu einer Demonstration am Endlager-Bergwerk auf.

Gorleben war 1977 von der niedersächsischen Landesregierung als Standort für ein nukleares Entsorgungszentrum ausgewählt worden. Massive Proteste erzwangen zwar den Verzicht auf eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage, der Gorlebener Salzstock wurde aber weiter auf seine Tauglichkeit als Endlager untersucht. Bislang hat die Atomwirtschaft rund 1,5 Milliarden Euro in die Prüfung investiert.

In der Koalition ist derweil heftig umstritten, wie mit dem Salzstock weiter verfahren werden soll: Während die Union darauf drängt, Gorleben zügig zu Ende zu erkunden und bei Eignung sofort als Endlager in Betrieb zu nehmen, fordert Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), dem auch das BfS untersteht, dass in Süddeutschland weitere Standorte geprüft werden. Reimar Paul

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