Vereinigung : Weg frei für die Nordkirche

Der erste Zusammenschluss zwischen west- und ostdeutschen Kirchen ist auf den Weg gebracht. Drei Synoden gaben am Samstag grünes Licht für die künftige Nordkirche, in der ab 2012 die Mecklenburgische Kirche, die Pommersche Kirche und Nordelbien vereint sein werden.

Dieter Hanisch

RendsburgIn den Kirchenparlamenten war jeweils eine Zweidrittelmehrheit für ein Ja erforderlich. Die mecklenburgischen Synodalen, die in Plau am See tagten, schafften dies nur hauchdünn. Gerade einmal 67 Prozent von ihnen stimmten für den Zusammenschluss. Auf der Tagung der pommerschen Kirche in Züssow waren mehr als drei Viertel der Stimmen für die Nordkirche. Mit 79 Prozent unerwartet deutlich bekannten sich die Parlamentarier der in Nordelbien zusammengeschlossenen Kirchen von Schleswig-Holstein und Hamburg zu der Fusion, die mit etwas mehr als 2,4 Millionen Mitgliedern zur fünftgrößten evangelisch-lutherischen Landeskirche in Deutschland wird. Dabei hatte es gerade in Rendsburg noch die meiste Unsicherheit gegeben, denn nach der Abstimmung waren lediglich 59 Prozent dafür – nach acht Stunden leidenschaftlicher Debatte zur ersten Lesung des von den Kirchenleitungen ausgehandelten Fusionsvertrages. In der Aussprache zur zweiten und entscheidenden Lesung ließen sich bisherige Zweifler, denen der Fusionsprozess vor allem zu schnell ging, dann überzeugen.

Nach der Entscheidung reagierte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands, Bischof Wolfgang Huber, erleichtert. Diese sei „ein beispielhafter kirchlicher Schritt für die konstruktive Aufnahme unterschiedlicher Traditionen und Erfahrungen aus Ost und West“. Vor den Sitzungen hatte er appelliert, der Fusion zuzustimmen. Genau wie Huber sprach Nordelbiens leitender Bischof Gerhard Ulrich (Schleswig) von einem historisch einmaligen Ereignis. Hamburgs Regionalbischöfin Maria Jepsen sagte mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen eines Verfassungsentwurfes für die Nordkirche, dass man nun gerade die Interessen Mecklenburgs stärken müsse, da dort die größte Gegnerschaft für das Projekt zutage getreten sei.

Noch nicht endgültig geklärt ist die Festlegung des Bischofssitzes der Nordkirche. Die Kirchenleitungen hatten sich auf Schwerin festgelegt. Auf der Rendsburger Synode fand aber ein entsprechender Antrag, der für den Standort Hamburg plädierte, die Mehrheit. Festgelegt hat man sich auch noch nicht zum Tagungsort der neuen Nordkirchen-Synode. „Ich könnte mir vorstellen, den Ort jeweils zu wechseln“, sagte Jepsen.

Besonders der Standort war in den vergangenen Wochen heftig diskutiert worden. Neu geregelt werden auch die Finanzen: Bei proportionaler Verteilung profitieren die beiden Ostkirchen. Verzichten Nordelbiens Kirchenkreise auf jeweils 4,9 Prozent ihres Budgets, kommen in Pommern 21 Prozent mehr an, in Mecklenburg 25 Prozent. Dieter Hanisch

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