Politik : Vereint gegen Kopftuchverbot

Nur ein ägyptischer Scheich zeigt Verständnis für französische Pläne

Andrea Nüsse[Amman]

Das kleine Mädchen im dunkelblauen Wintermantel ist nicht älter als neun Jahre. Sie hat das weiße Kopftuch, ihr „Hidschab“, tief ins Gesicht gezogen. Über dem Kopf hält sie ein Poster hoch, auf dem steht: „Mein Hidschab ist meine eigene, freie Wahl.“ Das Mädchen und 150 andere Frauen mit ihren Töchtern demonstrierten am Sonnabend vor der französischen Botschaft in Amman gegen das geplante Kopftuchverbot in französischen Schulen. Sie empfinden das geplante Verbot als „Ungerechtigkeit“ und „Einschränkung der persönlichen Freiheit“.

In der gesamten arabischen Welt demonstrierten am Wochenende Muslime gegen die Pläne der französischen Regierung, allein rund 1000 Menschen im palästinensischen Gaza. Der Scheich der ägyptischen Al-AzharUniversität, Mohammed Sayyed Tantawi, ist einer der wenigen, der Verständnis aufbringt. Obwohl er selbst das Tragen des Kopftuches als eine religiöse Pflicht muslimischer Frauen darstellt. Das Verbot religiöser Insignien in Schulen sei eine „interne französische Angelegenheit“, die ihren Ursprung in der Trennung von Kirche und Staat habe, sagte Tantawi in einem Zeitungsinterview. „Wem das missfällt, kann nur das Land verlassen.“ Doch mit dieser Meinung steht er ziemlich alleine da und wurde dafür auch heftig kritisiert. Denn für radikale Islamisten ist das Kopftuchverbot wie der Irak-Krieg Teil des westlichen „Kreuzzugs“ gegen den Islam. Dass das Verbot auch andere religiöse Symbole, wie das Kreuz und die jüdische Kippa umfassen soll, lassen sie unerwähnt.

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