Politik : Vereinte Nationen: Blüm kritisiert "weltferne Strukturen"

m.m.

Der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat sich in der Auseinandersetzung zwischen dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und der Hilfsorganisation Cap Anamur hinter das Not-Ärzte-Komitee gestellt. Die "weltfernen und langsamen Superstrukturen" der Vereinten Nationen müssten dringend im Bundestag und in der Öffentlichkeit diskutiert werden, sagte Blüm am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Cap Anamur-Sprecher Rupert Neudeck in Bonn. Die Mitarbeiter des UNHCR seien im Kosovo vorwiegend mit sich selbst und ihren "Meetings" beschäftigt gewesen, erklärte Blüm, der 1999 drei Tage lang in einem Flüchtlingscamp von Cap Anamur verbracht hatte. Das UNHCR solle sich an der Spontaneität und dem minimalen Verwaltungsaufwand von Cap Anamur ein Beispiel nehmen.

Neudeck wies Vorwürfe gegen seine Organisation erneut zurück. Der Bericht des ARD-Fernsehmagazins "Report", durch den Cap Anamur in die Kritik geraten war, sei eine "Auftragsproduktion des UNHCR", in der es nur darum gegangen sei, Fehler bei Cap Anamur aufzudecken.

Auch kommunale Müllentsorgungs-Unternehmen im Kosovo wiesen nach Informationen der Deutschen Welle Kritik am Not-Ärzte-Komitee Cap Anamur zurück. Dem Sender liegen Schreiben von Entsorgungsfirmen der Städte Prizren, Gjakova und Suhareka vor, denen zufolge die von Cap Anamur in den Kosovo gelieferten Müllfahrzeuge und Geräte funktionsfähig und im Einsatz seien.

Unterdessen bemühte sich der UNCHR, den Konflikt mit Cap Anamur zu entschärfen. Der Sprecher des UN-Flüchtlingskommissariates in Berlin, Stefan Telöken, sagte dem Tagesspiegel, es gebe keinen Bericht seiner Organisation zu Cap Anamur. "Eine Verschwörung zu vermuten, ist abwegig. Es ist Humbug, von einer Kampagne des UNHCR gegen Cap Anamur zu sprechen." Telöken räumte aber ein, dass es vor Ort im Kosovo "Animositäten" zwischen Neudeck und UNHCR-Mitarbeitern gegeben habe.

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