Politik : Vereinte Nationen: Jugoslawien "jüngstes UN-Mitglied"

Nach achtjähriger internationaler Isolation ist Jugoslawien wieder Vollmitglied der Vereinten Nationen. Einen Monat nach dem Sturz von Staatschef Slobodan Milosevic fand ein Antrag der neuen Belgrader Führung am Mittwoch in New York eine breite Mehrheit unter den 189 Mitgliedern der Vollversammlung. Der Gesandte des neuen jugoslawischen Staatspräsidenten Vojislav Kostunica, Goran Svilanovic, versicherte, sein Land werde ein vertrauenswürdiger Partner und ein guter Nachbar in der Krisenregion auf dem Balkan sein. Er vermied aber Aussagen über die von der Staatengemeinschaft geforderte Auslieferung serbischer Kriegsverbrecher, darunter auch Milosevics, an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Zuvor hatte der UN-Botschafter Kroatiens sein Unbehagen über das Zögern der jugoslawischen Staatsführung erkennen lassen. Zwar könne niemand die Kriegsgräuel in Südosteuropa ungeschehen machen. "Aber es ist unsere rechtliche, politische und moralische Pflicht, bei der Verfolgung von Kriegsverbrechen zusammenzuarbeiten, den Verbleib Vermisster aufzuklären und eine Wiederholung der Tragödie zu verhindern", sagte Ivan Simonovic. Er kommentierte damit die Haltung des jugoslawischen Präsidenten Kostunica, Milosevic nicht an das Haager Tribunal auszuliefern.

Unter Milosevic hatte sich das Belgrader Regime 1992 geweigert, nach dem Zerfall des alten Jugoslawiens gemeinsam mit den neuen Staaten Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien der Forderung der Vollversammlung nachzukommen, erneut seine UN-Mitgliedschaft zu beantragen. Milosevic bestand darauf, das aus Montenegro und Serbien bestehende Restjugoslawien sei der einzige Rechtsnachfolger des zerfallenen Staats.

Der französische UN-Botschafter Jean-David Levitte verkündete im Namen der Europäischen Union: "Mit berechtigtem Stolz nimmt das jugoslawische Volk nun seinen rechtmäßigen Platz im Konzert der Nationen ein. An diesem Abend ist auch ein wichtiger Schritt in Richtung Versöhnung, Stabilität und Frieden in der Region gemacht worden." Der amerikanische UN-Botschafter Richard Holbrooke würdigte die Aufnahme Jugoslawiens als "wahrhaft historischen Tag für die Vereinten Nationen und den Balkan - für ganz Europa und die Welt. Wir begrüßen Jugoslawien als jüngstes Mitglied der Vereinten Nationen", sagte Holbrooke.

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