Vereinte Nationen : UN-Umweltchef fordert Weltklimagipfel

Nach den dramatischen Warnungen des 4. UN-Klimaberichts hat der Direktor des UN-Umweltprogramms Unep, Achim Steiner, einen Weltklimagipfel der Staats- und Regierungschefs vorgeschlagen. Ausdrücklich forderte er US-Präsident George W. Bush zur Teilnahme auf.

Frankfurt/Main - Neben Bush sollten auch die politischen Führer der Schwellenländer China, Indien und Brasilien teilnehmen, forderte Steiner in einem Interview der "Frankfurter Rundschau". Nach den neuesten Erkenntnissen zur rasanten Entwicklung bei der Erderwärmung sei klar: "Business as usual reicht nicht mehr." Die "Routine der Verhandlungen auf Beamtenebene" bringe die Welt nicht weiter, sagte Steiner. Bei der regulären Weltklimakonferenz auf Bali im Herbst müsse der Grundstein für ein neues Klimaabkommen für die Zeit nach den im Kyoto-Protokoll für 2012 festgehaltenen Zielen gelegt werden.

Ohne die USA, die alleine ein Viertel der weltweiten CO2- Emissionen ausstoßen, sei globaler Klimaschutz nicht möglich, betonte Steiner. Die USA waren aus dem Kyoto-Prozess ausgeschert. Wegen des Drucks aus der Bevölkerung und Industrie habe Washington seine nationale Klimapolitik bereits verändern müssen. Für ein Kyoto-Nachfolgeabkommen sieht der Unep-Chef "durchaus Chancen, dass die USA dabei sind".

Der Unep-Direktor forderte die Politiker auf, Gesetze, Steuern und Subventionen so zu gestalten, dass umweltfreundliches Konsumverhalten belohnt werde und nicht das Gegenteil, wie es heute noch der Fall sei. Steiner nannte den Streit der deutschen Autoindustrie mit Brüssel wegen der von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas angekündigten CO2-Obergrenzen völlig anachronistisch. Einen solchen Rückschritt könnten wir uns nicht mehr leisten, sagte er. (tso/dpa)

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