Vereitelte Anschläge : Ermittler sehen Hinweise auf Al Qaida

US-Heimatschutzminister Michael Chertoff und FBI-Chef Robert Mueller sehen das so genannte Terrornetzwerk Al Qaida hinter den Anschlagsplänen in Großbritannien.

London - Die britische Polizei hat nach eigenen Angaben eine beispiellose Serie von Terroranschlägen auf Passagierflugzeuge vereitelt. Nach Angaben britischer und amerikanischer Behörden wollten die Täter im Handgepäck Sprengstoff an Bord mehrerer Transatlantik-Flüge schmuggeln und zeitgleich in der Luft zur Explosion bringen. Die Londoner Polizei sprach am Donnerstag von einem "Massenmord unvorstellbaren Ausmaßes". US-Präsident George W. Bush sieht "islamische Faschisten" als Drahtzieher. In Großbritannien nahm die Polizei 24 Verdächtige fest. Auf dem Londoner Großflughafen Heathrow wurden mehr als 600 Flüge gestrichen. In der Folge kam es europaweit zu Beeinträchtigungen.

Der bisherige Ermittlungsstand weise auf eine Täterschaft des Terrornetzwerks Al Qaida hin, sagten US-Heimatschutzminister Michael Chertoff und FBI-Chef Robert Mueller. Laut Chertoff wollten die Attentäter verschiedene Bestandteile von Flüssigsprengstoff in Getränkepackungen und ähnlichem an Bord schmuggeln und dort zünden. Nach US-Gehemdienstangaben hatten die Täter Flüge im Visier, die von Großbritannien aus zu "wichtigen Urlaubszielen" in den USA gehen, wie New York, Washington, Los Angeles, Boston und Chicago. Namentlich genannt wurden die US-Gesellschaften United Airlines, American Airlines und Continental Airlines.

Verdächtige stammen aus Pakistan

Die Polizei nahm in Großbritannien nach jüngsten Angaben 24 Verdächtige fest. Während die britische Nachrichtenagentur Press Association meldete, dass sie aus Pakistan stammten, hielt sich die britische Polizei zurück und deutete nur vorsichtig an, dass es sich um Moslems handele. Britischen Medienberichten zufolge fahndet die Polizei nach fünf weiteren Verdächtigen. In Abstimmung mit den britischen und US-Behörden griff auch die pakistanische Polizei zu und nahm mehrere Verdächtige fest. Die Festnahmen stünden im Zusammenhang mit den Anschlagsplanungen, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Islamabad. Genauere Angaben zu den Festnahmen wollte sie nicht machen, doch sagte sie, diese hätten bei der Aufdeckung und Vereitelung der Anschlagspläne eine Schlüsselrolle gespielt.

Den Angaben aus Washington und London zufolge waren die Planungen bereits weit fortgeschritten. Die Täter hätten schon "alle benötigten Ressourcen zusammengetragen" und seien "in der Endphase" ihrer Planungen gewesen, sagte Chertoff. Sie hätten bereits "sehr konkrete Schritte" unternommen, um ihren Plan auszuführen. Wie die britischen Behörden mitteilten, liefen die Ermittlungen schon seit Monaten.

Bush lobt Zusammenarbeit der Behörden

US-Präsident Bush kündigte an, seinen Kurs der Terrorbekämpfung mit aller Härte fortzusetzen. Er lobte die Arbeit der britischen Ermittler, die die Anschlagsserie vereitelt haben. Die Zusammenarbeit zwischen britischen und US-Behörden in der Angelegenheit sei "exzellent" gewesen. In den vergangenen Tagen hatten Bush und der britische Premierminister Tony Blair telefonisch über den Fall beraten.

In Großbritannien trat die höchste Sicherheitsstufe in Kraft. Die USA erhöhten ihre Terrorwarnung für Überseeflüge von britischen Flughäfen auf die höchste Stufe; "Rot" bedeutet, dass ein Anschlag als sehr wahrscheinlich gilt. Auch Deutschland reagierte mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

Die scharfen Sicherheitsmaßnahmen stürzten die britischen Flughäfen ins Chaos und führten zu starken Behinderungen im Luftverkehr. Zehntausende Flugreisende saßen in London fest. Das Handgepäck wurde auf der Insel strengstens kontrolliert; nur die allerwichtigsten Dinge wie Brillen, Babynahrung oder wichtige Medikamente durften mit an Bord genommen werden. Auch am Freitag und Samstag muss bei Flügen von und nach London mit Behinderungen gerechnet werden. (tso/AFP)

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