Politik : Verfahren gegen Historiker eingestellt - Jüdische Proteste

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Der Oppelner Historiker Dariusz Ratajczak, der in einer Veröffentlichung die Existenz von Gaskammern zur Judenvernichtung bestritten hat, muß nicht mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen. Das erste in Polen anhängige Verfahren gegen einen Verbreiter der sogenannten "Auschwitz-Lüge" wurde vom Oppelner Bezirksgericht am Dienstag wegen der "geringen gesellschaftlichen Schädlichkeit" der Tat eingestellt. Der Richter begründete dies damit, daß der Angeklagte nur zwei Bücher verkaufen konnte.

Ratajczak, der an der Oppelner Universität Geschichte unterrichtet, hatte in seinem im Selbstverlag in der Auflage von 320 Stück herausgegebenen Buch "Gefährliche Themen" geschrieben, daß "wir ohne Gefahr eines Irrtums feststellen können, daß das Zyklon B in den Lagern zur Desinfektion und nicht zur Ermordung von Menschen verwendet wurde". Die Berichte von Überlebenden, die die Vergasung gesehen haben wollten, seien "wertlos".

Während des Gerichtsverfahrens erklärte der Historiker, er habe nicht eigene Überzeugungen, sondern "nur die Ansichten der Holocaust-Revisionisten" wiedergegeben. Das Gericht schenkte diesen Erklärungen keinen Glauben und stellte in der Urteilsbegründung fest, daß Ratajczak die Naziverbrechen tatsächlich geleugnet habe. Als Grund für die Einstellung des Verfahrens nannte es neben der geringen Zahl der verkauften Bücher auch die Tatsache, daß sich der Angeklagte in späteren Veröffentlichungen von seinen Aussagen distanziert habe.

Kritisiert wurde das Urteil von Vertretern der jüdischen Gemeinschaft in Polen. Der Vorsitzende der Föderation jüdischer Verbände in Polen Szymon Szurmiej forderte, die Leugnung des Völkermordes müsse bestraft werden und kündigte "zahlreiche Proteste" an. Auch ein Vertreter der katholischen Kirche, der Professor für Ökumene an der Warschauer Kardinal-Wyszynski-Universität Michal Czajkowski erklärte, daß man die Leugnung des Judenmordes nicht als "Tat von geringer gesellschaftlicher Schädlichkeit" bezeichnen könne. Die linke Zeitung "Trybuna" wies darauf hin, daß es um die Tatsache gehe, daß ein Universitätslehrer solche Ansichten verbreitet. Ein Regierungsvertreter bezeichnete es als "unglückliches Zusammentreffen", daß der Gerichtsentscheid während einer Reise des polnischen Ministerpräsidenten nach Israel gefallen sei.

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