Politik : Verfassungsschützer haben der Organisation zuviel zugetraut - weiterhin Überwachung

Die Scientology-Organisation wird nach Beurteilung des scheidenden Verfassungsschutz-Chefs von Nordrhein-Westfalen, Fritz Achim Baumann, überschätzt. In einem Interview des Hamburger Magazins "Stern" plädierte Baumann dagegen, Scientology weiterhin vorrangig vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. "Der soll die Verfassung schützen, wie der Name schon sagt. Um die Nöte einzelner Menschen kümmern sich andere." Die Gefahren, die von Scientology ausgingen, lägen in erster Linie im persönlichen Bereich. "Da ist in der Tat eher der Sektenberater als der Geheimdienstler gefragt."

Baumanns Beurteilung wurde vom Düsseldorfer Innenministerium bestätigt. Scientology sei in erster Linie ein "skrupelloses Wirtschafts-Unternehmen", sagte Ministeriumssprecher Ludger Harmeyer am Dienstag. Demgegenüber spiele das Streben nach politischer Macht in der Praxis eine geringere Rolle als ursprünglich vermutet. Baumann und Harmeyer kamen nach zweijähriger Beobachtung zu dem Schluss, dass die Organisation weit weniger aktive Mitglieder hat, als bislang angenommen. "In Nordrhein-Westfalen gibt es höchstens etwa 400 Mitglieder", sagte Harmeyer. Bundesweit schätzte Baumann die Mitgliederzahl auf etwa 5000. Dennoch sei die jahrelange Beobachtung der Scientologen durch die Nachrichtendienste sinnvoll gewesen, betonte Harmeyer.

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