Politik : Verfassungsschutz fürchtet Anschläge wegen G-8-Gipfel

Frank Jansen

Köln - Das Bundesamt für Verfassungsschutz befürchtet weitere Anschläge von Linksextremisten vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm. Es sei zu erwarten, dass die im Sommer 2005 begonnene „militante Kampagne“ fortgesetzt werde, sagten Experten der Behörde nach einem Treffen mit Vertretern der Wirtschaft in Köln. Bislang haben Linksextremisten aus Protest gegen den Anfang Juni stattfindenden Gipfel 13 Brandanschläge verübt, ein weiterer Versuch misslang. Die spektakulärste Aktion war der Angriff auf das Haus von Thomas Mirow (SPD), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, in Hamburg. Ende Dezember 2006 hatten die bislang nicht ermittelten Täter den Pkw der Ehefrau Mirows in Brand gesetzt. Die Flammen griffen auf Fenster und Fassade des Hauses über, das zudem mit Beuteln voll blauer Farbe beworfen wurde.

Zu dem Anschlag bekannte sich eine „AG Kolonialismus und Krieg“. Generalbundesanwältin Monika Harms zog die Ermittlungen an sich. Die Attacke auf Mirows Haus war laut Verfassungsschutz einer von fünf Anschlägen, die sich gegen Politiker, staatliche Einrichtungen und andere Institutionen richteten. Weitere neun trafen Wirtschaftsunternehmen. Die Serie begann mit einem Anschlag auf die Norddeutsche Affinerie in Hollenstedt (Niedersachsen), zuletzt wurden vergangenen Montag zwei Fahrzeuge der Bundespolizei in Oranienburg (Brandenburg) attackiert. Betroffen war bislang nur Norddeutschland, als Schwerpunkte nennen Verfassungsschützer Hamburg und Berlin sowie die umgebenden Regionen. Und die Sicherheitsbehörden registrierten weitere 30 Straftaten, vor allem Schmierereien.

Auch wenn die Täter bislang offenbar nur Sachschäden verursachen wollten, bestehe bei der Anschlagsserie „jederzeit die Gefahr, dass Menschen zu Schaden kommen“, warnte ein Verfassungsschützer. Außerdem falle in den Bekennerschreiben auf, dass die linksextremen G-8-Gegner enormes Detailwissen über die Personen und Institutionen gesammelt haben, die mit den Anschlägen drangsaliert werden sollen.

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