• Verfassungsschutz stoppt Ermittlungen gegen Rechtsextreme Angriff auf Asylbewerberheim erst nach zehn Jahren vor Gericht

Politik : Verfassungsschutz stoppt Ermittlungen gegen Rechtsextreme Angriff auf Asylbewerberheim erst nach zehn Jahren vor Gericht

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Neubrandenburg/Rostock (dpa). Die Schweriner Staatsanwaltschaft soll laut einem Zeitungsbericht auf Anforderung des Verfassungsschutzes Ermittlungen gegen zwei Rechtsextremisten gestoppt haben. Wie der „Nordkurier“ berichtete, sei die Staatsanwaltschaft 1994 der Aufforderung des Verfassungsschutzes nachgekommen, sich bei der Strafverfolgung nach einem Überfall auf ein Asylbewerberheim zwei Jahre zuvor zurückzuhalten. Der Grund seien Anwerbeversuche des Verfassungsschutzes gewesen. Das Innenministerium in Schwerin wollte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern.

Die 32 und 35 Jahre alten früheren NPD-Mitglieder müssen sich seit vergangener Woche wegen versuchten Mordes vor dem Schweriner Landgericht verantworten – knapp zehn Jahre nach dem brutalen Angriff. Daher wird gegen die Schweriner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt ermittelt.

Im Sommer 1992 hatten etwa 30 Männer das Asylbewerberheim in Boizenburg westlich von Schwerin mit Molotow-Cocktails, Steinen und Knüppeln angegriffen. Zwischen 1993 und 1995 waren insgesamt 24 junge Männer zu Haftstrafen von bis zu vier Jahren verurteilt worden.

Die möglicherweise für die nun angeklagten Männer getroffene „Absprache“ zwischen Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft wurde laut „Nordkurier“ bereits im vergangenen Jahr entdeckt. Damals sei die Arbeit des Geheimdienstes wegen einer „V-Mann-Affäre“ im Zusammenhang mit dem angestrebten NPD-Verbotsverfahren überprüft worden.

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