Verfechter der Rasssentrennung : Südafrikas Ex-Präsident Botha ist tot

Der frühere Staatschef von Südafrika, Pieter Willem Botha, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Botha sei am Dienstagabend in seinem Haus im Western Cape im Süden des Landes "friedlich eingeschlafen".

Johannesburg - Botha war stets ein Verfechter der Rassentrennung und ging in den 80er Jahren mit unnachgiebiger Härte gegen politische Gegner vor. 1989 musste er wegen eines Schlaganfalls von seinem Amt zurücktreten.

Nach Angaben der Ärzte war Botha im vergangenen Monat zu einer Routineuntersuchung ins Krankenhaus eingewiesen worden. Sie wiesen Berichte zurück, der Ex-Staatschef habe einen weiteren Schlaganfall erlitten. Der in Südafrika regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) sprach den Angehörigen Bothas sein Beileid aus. Der ANC hoffe, dass Bothas Familie genug Kraft haben werde, um diesen "schwierigen Moment" zu überstehen, hieß es in einer Erklärung. Die Mitglieder der ehemaligen schwarzen Befreiungsbewegung waren zu Bothas Regierungszeit teils schweren Repressalien der Behörden ausgesetzt.

Das "Große Krokodil"

Botha begann seine Karriere in der südafrikanischen Nationalpartei (NP) 1948 als Mitglied des Stadtparlaments von George. 1978 wurde er Premierminister, später Präsident. Seine unnachgiebige Haltung gegenüber politischen Gegnern brachte ihm den Beinamen "Groot Krokodil" ("Großes Krokodil") ein. 1985 erklärte Botha im Kampf gegen den ANC den Ausnahmezustand, mehr als 800 Menschen starben bei den anschließenden politischen Unruhen. Manche Gesetze der Apartheid wurden unter Bothas Regierung allerdings abgeschafft, wie zum Beispiel die Trennung zwischen Schwarz und Weiß an öffentlichen Plätzen oder das Verbot von Mischehen.

Nach Bothas Rücktritt übernahm Frederik De Klerk 1989 das Präsidentenamt. Dieser leitete das Ende der Apartheidspolitik ein und befreite Nelson Mandela nach rund 30-jähriger Haft. Der von Mandela angeführte ANC gewann in den 90er Jahren die ersten freien Wahlen.

Botha ordnete Bombenangriffe an

Nach dem Ende der Apartheid wurde Botha von den so genannten Wahrheitskommissionen der Menschenrechtsverletzungen angeklagt. Nach Ansicht der Kommissionen ordnete Botha persönlich Bombenangriffe auf die Zentrale des gegen die Apartheid kämpfenden Südafrikanischen Kirchenrats und war zumindest indirekt für die Tötung Oppositioneller durch staatliche Agenten verantwortlich. Bothas Weigerung, vor den Kommissionen auszusagen, blieb ohne Folgen. Eine Verurteilung wegen Nichterscheinens nach einer Vorladung wurde 1999 von einem Berufungsgericht verworfen. Botha sagte seinerzeit, er werde nie um eine Amnestie bitten, "nicht jetzt, nicht morgen und nicht übermorgen".

Noch kurz vor seinem 90. Geburtstag Anfang diesen Jahres erregte Botha Aufsehen, als er in einem Interview sagte, Südafrika wäre "zugrunde gegangen", wenn es in den 60er oder 70er Jahren unabhängig geworden wäre. Er betonte in dem Gespräch, er habe Schwarze nie als minderwertig betrachtet - "viele Schwarze und Farbige haben mit uns zusammengearbeitet". (tso/AFP)

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