Politik : Vergangenheitsdebatte: Heimspiel

Tissy Bruns

"Wir gelten ja als treue Truppe". So charakterisiert Karl-Hermann Haack, einer der Sprecher, den sozialdemokratischen "Seeheimer Kreis", der seine wichtigste Aufgabe darin sieht, den Kanzler zu stützen. Am Freitag ist Gerhard Schöder zur Tagung der Seeheimer gekommen und hat in der Bremer Landesvertretung mit ihnen diskutiert. Der Kanzler spannt den Bogen von 1998 bis zur nächsten Wahl. Nach mehreren Wochen Vergangenheitsdebatte ist sein Vortrag inspiriert von den Jahren 68 und folgende.

In zwei Bereiche teilt der Ex-Juso-Chef und heutige Kanzler seine Bilanz seit der Regierungsübernahme: Erstens die "harten ökonomischen Fakten, die ökonomische Basis" und, zweitens, "den gesellschaftlichen Überbau, wenn ich das noch so sagen darf, ohne mich rechtfertigen zu müssen". Er darf. Mit den Jahren und mit der Heftigkeit gegnerischer Attacken schmelzen die feinen Unterschiede, die den Ordnungsfaktor Seeheim und aufmüpfige Jusos innerparteilich einmal getrennt haben mögen.

Die Seeheimer freuen sich an ihrem Kanzler, Steuer und Rente liegen auf dem Erfolgskonto und auch die Reform des Staatsbürgerrechts, wenngleich mit Abstrichen. "Es war ein Irrtum," sagt Schröder und die Anwesenden schmunzeln, "dass Reformen von oben sich von selbst durchsetzen. Das wussten wir schon als Jusos. Das hätten wir vielleicht besser nicht vergessen."

Ausdrücklich nimmt Schröder die 68er gegen die Union in Schutz. Es gehe nicht nur um Fischer oder Trittin, sondern auch um die Diskreditierung der gesellschaftlichen Folgen von 68. "Was hier geschieht, ist Ausdruck einer hilflosen Oppositionstrategie."

Haack hat den Kanzler vor der Veranstaltung darauf aufmerksam gemacht, dass der Seeheimer Kreis sich verjüngt habe. "Ach", sagt Schröder vor den knapp 200 Versammelten, "verjüngt scheint vieles, weil wir ja alle älter werden". Haack schiebt ihm eine Notiz zu. Schröder lacht und gratuliert Wolfgang Roth, der in den 70er Jahre Juso-Vorsitzender war. "Wolfgang Roth ist heute 60 geworden", freut sich der Kanzler. "Davon bin ich ja noch weit entfernt."

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