Politik : Vergeudeten die USA Geld des Irak? Financial Times: Willkür und keine Kontrolle

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Bagdad/New York Die nach dem Krieg im Irak eingerichtete US-Verwaltung hat offenbar Milliardenbeträge aus irakischen Vermögen verschwendet. Das berichtet die „Financial Times“. Eine kurz vor der Machtübergabe an die Iraker eingesetzte Untersuchungskommission habe errechnet, dass die Verwaltung insgesamt 20 Milliarden US-Dollar ausgegeben habe, mehr als das jährliche Bruttoinlandsprodukt des Irak. Die Finanzpraxis der Verwaltung sei „chaotisch und willkürlich“ gewesen, berichtet das Blatt, immer wieder seien Vorschriften missachtet worden. Ein US-Beamter wird mit der Aussage zitiert, es habe einen „Ausgabenrausch“ in letzter Minute gegeben.

Das Budget der US-Verwaltung speiste sich aus irakischen Öleinnahmen, eingefrorenen Guthaben des gestürzten Regimes von Saddam Hussein auf Auslandskonten und aus dem UN-Programm „Öl für Lebensmittel“. Mangelnde Kontrolle der US-Verwaltung habe außerdem dazu geführt, dass hohe Beträge aus Ölverkäufen veruntreut worden seien, berichtet das Blatt. Auch Beamte der Verwaltung seien in Korruption verwickelt. Konkret würden 27 Verdachtsfälle gegen Mitarbeiter der US-Verwaltung untersucht.

Der ebenfalls wegen einer Untreueaffäre im Zusammenhang mit dem Programm „Öl für Lebensmittel“ in die Kritik geratene UN-Generalsekretär Kofi Annan erhielt unterdessen Rückendeckung aus den USA. Nach einer Kampagne konservativer US-Abgeordneter für einen Rücktritt Annans sprach Washington Annan das Vertrauen aus. „Niemand zweifelt an der persönlichen Integrität des Generalsekretärs“, erklärte Washingtons UN-Botschafter John Danforth.

Allerdings sei eine Aufklärung des Korruptionsverdachts im Zusammenhang mit dem Programm „Öl für Lebensmittel“ unerlässlich. Ermittler prüfen derzeit, ob UN-Mitarbeiter durch das Saddam-Regime oder an dem Hilfsprogramm beteiligte Firmen bestochen wurden. Sie gehen auch der Frage nach, wofür genau Annans Sohn Kojo von einer mit der Überwachung des Programms beauftragten Firma Zahlungen erhielt. dpa/Tsp

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