Politik : Vergisst FamilienpolitikAkademiker? Studie sieht drastisches Gerechtigkeitsproblem

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Berlin Bei der finanziellen Förderung von Familien ist nach Expertenmeinung ein radikaler Kurswechsel erforderlich. An Akademikern gehe die bisherige Familienpolitik vollkommen vorbei, heißt es in einer aktuellen Studie, die das Forschungsinstitut Empirica im Auftrag des Familienministeriums erstellt hat.

Neben mehr Kinderbetreuungsangeboten fordern die Autoren Ulrich Pfeiffer und Reiner Braun, Erziehungskosten stärker bei der Steuer zu berücksichtigen. „Heute haben die Ausgaben für Kinder steuerlich den gleichen Status wie Ausgaben für Eier oder Urlaubsreisen“, so Pfeiffer. Nötig seien höhere Freibeträge vor allem ab dem dritten Kind und die Anerkennung „relevanter Werbungskosten“.

Familienministerin Renate Schmidt (SPD) sieht sich durch die Studie in ihren Plänen zum Ausbau der Kinderbetreuung bestätigt. Sie kündigte an, Anfang 2006 ein Konzept für ein einjähriges einkommensbezogenes Elterngeld vorzulegen. Es soll sich in Höhe des Arbeitslosengeldes I bewegen und wahlweise an Väter oder Mütter gezahlt werden. „Damit wollen wir erstmals auch Besserverdienenden einen Anreiz bieten, für Kinder vorübergehend aus dem Job auszusteigen“, sagte Schmidt dem Handelsblatt.

Laut Pfeiffer hat das Dogma traditioneller Kindergeldpolitik, wonach der Staat reiche und arme Eltern bei der Familienförderung gleich behandeln muss, zu einem drastischen Gerechtigkeitsproblem geführt: Eine allein erziehende Arbeiterin mit zwei Kindern gebe rund 74000 Euro für Erziehungskosten aus, der Staat trage mit 71000 Euro den Löwenanteil. Ein gut verdienender Akademikerhaushalt zahle rund 267000 Euro für zwei Kinder, erhalte aber nur 68000 Euro vom Staat.

Familienpolitik sei bislang eher als Sozialpolitik denn als umfassende Bevölkerungspolitik gesehen worden. Dies habe dazu beigetragen, dass sich Frauen zwischen 20 und 34 im Schnitt nur noch ein bis zwei Kinder wünschen. Vor wenigen Jahren seien es noch zwei bis drei gewesen. Tatsächlich bringen sie durchschnittlich nur noch 1,4 Kinder zur Welt.

Dass über 40 Prozent der Akademikerinnen kinderlos bleiben, habe mit den Wohlstandsverlusten durch Erziehungskosten zu tun. Während sich die Einkommenssituation kinderloser Paare ständig verbessere, komme es bei Akademikern nach der Geburt von Kindern zu einem Einkommenseinbruch, der im ganzen Leben nicht aufgeholt werden könne. HB

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