Politik : Verhaftungen in Somalia

Christoph Link

Die Übergangsregierung von Somalia hat die Verhaftung von acht Ausländern bekannt gegeben, die des Terrorismus verdächtig sind. Die Verhaftung wurde publik, nach dem ein US-Diplomat von Verhandlungen in Somalias Hauptstadt Mogadischu nach Nairobi zurückgekehrt war. Beobachter vermuten, dass die Regierung in Mogadischu auf Druck der USA handelte.

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Die Amerikaner sind peinlich um ihre Aktionen am Horn von Afrika bemüht, denn seit Monaten wird über einen Militäreinsatz in Somalia spekuliert - auch der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping hatte sich daran beteiligt. Neben dem zerfallenen Staat Somalia gilt auch der Sudan - ein Land so groß wie Westeuropa - als möglicher Unterschlupf für Terroristen. In Somalia meldete ein Vertreter der Übergangsregierung, die nur einen kleinen Teil des Landes kontrolliert, die Verhaftung von acht verdächtigen Ausländern in Mogadischu. Nach Meldungen der Agentur AFP soll es sich um Irakis handeln, die von Dubai nach Somalia ausgewiesen worden waren. Die Geschäfts- und Handelsbeziehungen zwischen Dubai und Mogadischu sind sehr eng, Flugverbindungen häufig. Nach einer anderen Quelle, dem BBC-Radiosender, gehört zu den Verhafteten auch ein Türke.

Die somalische Regierung, die Schritt für Schritt eine eigene Polizeitruppe ausrüstet, hat nach BBC-Erkenntnissen nach dem 11. September ein Sonderkommando zur Bekämpfung von Terroristen gebildet. Mehrfach hatte sich die Übergangsregierung gegen Anschuldigungen aus Äthiopien und von verfeindeten Warlords gewehrt, dass sie Terroristen unterstützen würden. Die USA hatten vor Wochen der somalischen Wirtschaft einen empfindlichen Schlag versetzt, als sie die Konten der Finanzfirma Al-Barakaat einfroren und die Filialen schlossen. Über diese Privatbank beziehen viele der neun Millionen Somalis Überweisungen ihrer im Ausland lebenden Verwandten.

Von der französischen "Aktion gegen Hunger" ist diese Maßnahme jetzt kritisiert worden: Sie verschlimmere die Notlage von Tausenden Familien in Somalia. Die humanitäre Organisation äußerte sich besorgt über Drohungen gegen Somalia als "potenzielle Zielscheibe". Durch den Bürgerkrieg seien Hunderttausende von Somalias in Armut gestürzt worden, jeden Monat behandele man 250 Kinder in Mogadischu wegen Unterernährung. Überdies hätten im Südwesten des Landes in der Region Gedo 350 000 Menschen wegen einer dreijährigen Dürre "jegliche Ressourcen" verloren. Dessen ungeachtet kommen Drohungen gegen Somalia jetzt aus dem Nachbarland Kenia. Dessen Präsident Daniel arap Moi sagte, mangels einer richtigen Regierung könne Somalia den Terrorismus nicht richtig bekämpfen.

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