Politik : Verhalten zuversichtlich

Bundesregierung glaubt an baldige Lösung des Geiseldramas in Mali / „Entscheidende Phase der Verhandlungen“

Ralph Schulze[Madrid]

Das Geiseldrama in der Sahara steht möglicherweise nach gut sechs Monaten vor einem glücklichen Ende. Nach diplomatischen Angaben in Berlin wie in Malis Hauptstadt Bamako wird mit einer Lösung in den nächsten Tagen oder spätestens Wochen gerechnet. Deutschlands Geiselbeauftragter, Staatssekretär Jürgen Chrobog, der bisher eisern schwieg, äußerte sich nach seiner Rückkehr aus Mali, wo er am Donnerstag Geheimgespräche geführt hatte, bemerkenswert optimistisch: „Wir glauben, dass wir schon bald eine Lösung erreichen werden. Wir befinden uns in einer entscheidenden Phase der Verhandlungen." Und er fügte auf Nachfragen hinzu: „Ich bin verhalten zuversichtlich."

Staatssekretär Chrobog war bereits zum zweiten Mal in Sachen Geiseldrama nach Mali gereist und hatte dort am Donnerstag Gespräche mit Malis Präsidenten in Bamako geführt. Am Tag zuvor war er in Algerien mit Präsident Bouteflika zusammengetroffen.

Aus Chrobogs sorgfältig gewählten Worten kann man schließen: Die Bundesregierung geht davon ausgeht, dass in den Entführungsfall in der Sahara nun wirklich Bewegung gekommen ist. Womöglich stehen die Verhandlungen, die Unterhändler der malischen Regierung seit Wochen mit den arabischen Terroristen führen, vor dem Durchbruch oder haben bereits dazu geführt. Dazu passt auch der Kommentar einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin von Freitag: „Wir haben die Hoffnung, dass die Betroffenen sicher und unversehrt nach Hause kommen." Derart positive Einschätzungen haben deutsche Regierungssprecher im gesamten vergangenen halben Jahr nicht geäußert.

In diese Signale, die für eine nahe Rettung der 14 Sahara-Geiseln – neun Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer – sprechen, mischen sich Gerüchte und Informationen, die nicht als gesichert gelten dürfen. So soll angeblich in Mali bereits ein Flugzeug mit medizinischer Ausrüstung für den Rückflug der Urlauber bereitstehen. An der Grenze zu Mali sollen nach einem Bericht der Agentur AFP algerische Armee-Einheiten gesichtet worden sein. Unklar ist weiterhin, ob ein angeblich gefordertes Lösegeld für die Befreiung der Geiseln gezahlt wird. Die Regierungen in Berlin, Bern und Den Haag hatten eine solche Lösung immer wieder dementiert. Unklar ist auch, ob sich die Entführer mit Sicherheitsgarantien und freiem Geleit begnügen, die sie manchen Medienberichten zufolge gefordert haben. Aus Vermittlerkreisen in Mali verlautete jedenfalls mysteriös, dass Lösegeldforderungen „keinen Blockadefaktor mehr darstellen".

Im Februar und März hatten mutmaßliche arabische Terroristen insgesamt 32 europäische Wüstenurlauber in Südalgerien verschleppt. 17 waren Mitte Mai unter nicht ganz geklärten Umständen in Algerien freigekommen, offiziell durch eine militärische Rettungsaktion. Doch gab es auch damals schon Hinweise auf eine Verhandlungslösung.

Außenminister Joschka Fischer hatte einen Tag vor der Befreiung im Mai Geheimgespräche in Algier geführt. Ende Juni war der Tod einer Geisel, der 46-jährigen Michaela Spitzer aus Augsburg, bekannt geworden. Die Entführer hatten die Geiseln inzwischen über die Grenze nach Mali gebracht. Es hieß, sie sei auf dem Weg an Erschöpfung und Hitze gestorben.

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