Politik : Verhandeln über die Bombe

Kaum Hoffnung auf Einigung mit Nordkorea

Harald Maass

Peking - Nach mehr als einem Jahr Unterbrechung und einem unterirdischen Nukleartest im Oktober verhandeln Nordkorea und die USA wieder über Pjöngjangs umstrittenes Atomprogramm. Am Montag beginnt in Peking eine neue Runde der Sechs-Nationen-Gespräche. Doch die Hoffnungen auf einen raschen Durchbruch in dem Atomstreit sind gering.

Bereits am Sonntag wollte sich der US- Chefunterhändler Christopher Hill mit dem nordkoreanischen Vizeaußenminister Kim Kye Gwan zu einem bilateralen Vorgespräch treffen. „Ich möchte sichergehen, dass er genug Handlungsspielraum hat“, sagte Hill vor seiner Abreise aus Japan. Washington verlangt von Pjöngjang die Aufgabe aller Atomprogramme und bietet im Gegenzug Wirtschaftshilfen und Sicherheitsgarantien.

Kim hatte sich zuvor skeptisch über eine Lösung in dem seit 2002 schwelenden Atomstreit geäußert. Es sei „zu früh, um optimistisch zu sein“, erklärte er. Die USA müssten erst ihre „feindselige Politik“ gegenüber Nordkorea und die Sanktionen gegen das Land aufheben. Insbesondere fordert Pjöngjang die Freigabe von Konten bei der Banco Delta Asia in Macao, die vor einem Jahr wegen angeblicher Geldwäsche und Geldfälschungen gesperrt worden waren.

US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte am Freitag angedeutet, dass Washington unter Umständen bereit sei, in der Frage der gesperrten Konten flexibel zu reagieren: „Wir werden ihnen nicht erlauben, weiter unsere Gesetze zu brechen, aber natürlich schauen wir auch auf das Gesamtbild“, sagte Rice. Das Ziel ihrer Regierung sei die nukleare Abrüstung Nordkoreas vor dem Ende der Amtszeit von George W. Bush.

Pjöngjang war als Reaktion auf die US-Finanzsanktionen vor einem Jahr von den Sechs-Nationen-Gesprächen zurückgetreten. Im Juli diesen Jahres feuerte Nordkorea sieben Testraketen von seiner Ostküste ab, darunter auch eine Taepodong-Langstreckenrakete – ein Waffentyp, der nach Ansicht von Experten eines Tages auch US-Gebiet erreichen könnte. Am 9. Oktober führte das Regime einen unterirdischen Atomwaffentest durch, der weltweit Besorgnis auslöste.

Nun findet die sechste Runde der Sechs-Nationen-Gespräche seit 2003 statt. Neben den USA und Nordkorea sitzen Vertreter Südkoreas, Russland, Japans und Chinas als vermittelnde Gastgeber mit am Verhandlungstisch.

Im September 2005 hatte Pjöngjang der Abschaffung seiner Atomprogramme als Ausgleich für Energielieferungen und eine politischen Annäherung an die USA grundsätzlich zugestimmt. Doch „jetzt, da sie die Bombe haben, werden sie sich diese Waffe nicht so einfach wieder abhandeln lassen“, befürchtet ein Diplomat in Peking.

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