Politik : Verhandlungen über Freilassung verzögern sich - Wieder Bombenanschläge

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Die neu angesetzten Verhandlungen über die Freilassung der 21 Geiseln auf den Philippinen verzögern sich. Sie sollen jetzt frühestens am Sonntag stattfinden. Grund seien die Bombenanschläge, bei denen am Donnerstag auf den Inseln Jolo und Mindanao sieben Menschen getötet und mehr als 60 verletzt wurden, sagte ein Sprecher von Chefunterhändler Roberto Aventajado am Freitag. Die Fortsetzung der Gespräche sei jetzt "eine Frage der Sicherheit". Die Polizei verschärfte deshalb ihre Maßnahmen auf Jolo. Nach Angaben von Polizeichef Casimiro Candido sind 400 Polizisten und 70 Soldaten rund um die Uhr in der Inselhauptstadt Jolo im Einsatz, um weitere Gewalttaten zu verhindern. Passanten würden nach Waffen durchsucht. Der philippinische Präsident Joseph Estrada brach nach den Bombenanschlägen einen fünftägigen Staatsbesuch in China ab und wollte noch am Freitagabend nach Manila zurückfliegen.

Die philippinischen Behörden machten die Geiselnehmer der moslemischen Rebellenorganisation Abu Sayyaf für die Anschläge verantwortlich. Vermutlich handele es sich um ein Manöver, um die Aufmerksamkeit von den Entführern abzulenken, hieß es. Weiterhin ungeklärt sei, wo die neuen Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln stattfinden sollten, sagte Aventajados Sprecher. Es könne "Wochen oder Monate dauern", bis die Gespräche Erfolg zeigten. Die moslemischen Rebellen halten auf Jolo seit dem 23. April 21 Geiseln in ihrer Gewalt, darunter das deutsche Ehepaar Wallert und seinen Sohn Marc.

Ein Sprecher des Präsidentenpalastes in Manila erklärte, die verfrühte Rückkehr von Präsident Estrada bedeute nicht, dass es sich um eine Notfallsituation handele. Der Präsident habe jedoch "das Gefühl, dass es einige Sachen in Manila gibt, um die er sich persönlich kümmern sollte". So wolle Estrada auch die nach heftigen Monsun-Regenfällen überschwemmten Gebiete in der Hauptstadtregion besuchen. Auf den südlichen Philippinen sind nach Angaben des katholischen Hilfswerkes Misereor 80 000 Menschen auf der Flucht vor heftigen Kämpfen zwischen dem Militär und Moslemrebellen.

In der Hoffnung auf Bewegung in der Geiselaffäre auf den Philippinen hat der malaysische Botschafter das Versteck der Kidnapper aufgesucht. Wie der Gouverneur der Provinz Sulu am Freitag erklärte, erfolgte der Besuch von Botschafter Manzoor Hussein Arshad am Donnerstag ohne Billigung der Unterhändler der philippinischen Regierung, die Gespräche mit den Entführern vorbereiten. Unter den 21 Geiseln sind auch neun Malaysier.

Die deutsche Geisel Werner Wallert kritisierte nach Angaben des Privatsenders RTL das philippinische Militär. Laut RTL vom Freitag sagte er einem Kamerateam, nach dem Rückzug der Soldaten habe er keine Angst mehr und glaube nicht, dass das Leben der Geiseln noch bedroht sei. Die Regierungstruppen hätten zu Beginn des Geiseldramas einen Befreiungsversuch unternommen, der allerdings eher ein Angriff gewesen sei. Die Soldaten hätten mit Granaten geschossen, "und unsere Kidnapper haben uns praktisch verteidigt", berichtete Wallert. Man habe den Eindruck gehabt, die Streitkräfte wollten "eine Lösung auf unsere Kosten". Seine erkrankte Frau Renate Wallert sagte laut RTL: "Ich sehe im Moment keine Möglichkeit, hier raus zu kommen." "Jemand" habe gesagt, die Geiselaffäre werde "mindestens noch diesen Monat" andauern. Renate Wallert kritisierte die mangelnde Soldarität unter den Geiseln. "Hier in der Gruppe gibt es nicht so sehr viele, die teilen", sagte die Göttingerin. Es gebe "sehr viele liebe, nette Menschen", aber auch einige, die nicht mal Wasser abgäben, auch wenn sie etwas hätten. "Und das ist das Problem, wir haben kein Wasser", sagte sie.

Die Weltmoslemliga verurteilte die Geiselnahme am Freitag als "für den Islam inakzeptabel". Die Liga, eine Dachorganisation moslemischer humanitärer Hilfsorganisationen, rief die Rebellengruppe Abu Sayyaf zu einer Abkehr von der Gewalt auf, wie ein Sprecher des philippinischen Außenministeriums am Freitag erklärte.

Die Serie von Bombenanschlägen im Süden der Philippinen reißt derweil nicht ab. Am Freitag explodierte eine Granate vor dem Polizeihauptquartier der Stadt Isabela auf der Insel Basilan und verletzte mindestens zwei Menschen. Danach ging eine Bombe vor einer Getränkefabrik in der Hafenstadt Zamboanga in die Luft.Mehr zum Thema unter www.meinberlin.de/geiseln

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