Politik : Verhör im Geheimen

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Von Frank Jansen

und Robert von Rimscha

Er gilt als Terrorpate und nun auch als außenpolitischer Störfaktor: Mohammed Haydar Zammar, deutscher Staatsbürger syrischer Herkunft und möglicher Kopf der Hamburger Al-Qaida-Zelle um Mohammed Atta, ist in Syrien in Haft. Bis zum Donnerstag hatte das syrische Außenministerium der deutschen Botschaft in Damaskus auf Anfragen mitgeteilt, ein Fall Zammer sei nicht bekannt. Am Freitag aber erklärte Außenminister Faruk el Sharaa überraschend in New York, Zammer befinde sich in Syrien. Sharaa sagte: „Ich kann entsprechende Presseberichte bestätigen.“ Nähere Informationen verweigerte der Minister „aus Sicherheitsgründen“.

Nach der Wiener Konvention wäre Damaskus verpflichtet gewesen, die deutschen Behörden umgehend zu informieren. Als deutscher Staatsbürger hat Sammar Anspruch auf konsularischen Beistand. Hinter dem syrischen Verhalten stehen vermutlich die Amerikaner und ihr Kampf gegen den Terrorismus. Der vor 20 Jahren in Deutschland eingebürgerte Zammar befindet sich möglicherweise schon seit mehreren Monaten in Syrien. Dort werde er von Amerikanern und Syrern „nach Landessitte“ verhört, sagt ein deutscher Experte. Vermutlich in einem der beiden Haftzentren ns Far Falastin und Far al-Tahqiqi al-Askari, in denen das Regime von Baschar al-Assad politische Gegner jahrelang festhält und foltern lässt .

Nach Ansicht der US-Behörden hat Zammar Ende der 90er Jahre die Hamburger Gruppe um Mohammed Atta für Al Qaida rekrutiert. Atta steuerte am 11. September 2001 die erste Maschine, die ins World Trade Center raste. Im Oktober leitete Generalbundesanwalt Kay Nehm ein Ermittlungsverfahren gegen Zammar ein wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Der massige Islamist wurde auch vernommen – doch für einen Haftbefehl reichte es nicht. Dennoch setzte Zammar sich im Oktober nach Marokko ab.

Dort wurde er aber von den Landesbehörden offenbar im Zusammenspiel mit den Amerikanern festgesetzt. Marokko behauptete gegenüber der Bundesrepublik, der Islamist sei nach Spanien überstellt worden. Dass Marokko im Auftrag der Amerikaner Desinformation betrieb, halten deutsche Experten für „denkbar“. Unklar bleibt, warum Zammar nach Syrien gebracht wurde, da die USA das Land andererseits als einen „Schurkenstaat“ bezeichnen. Sharaa betonte in New York, seine Regierung lehne Terrorakte wie die der Al Qaida ab. Der syrische Präsident habe Washington über mögliche Angriffe gegen die USA informiert. Sharaa hatte am Donnerstag Beratungen des Weltsicherheitsrates zum Nahost-Konflikt geleitet.

Die Chancen, dass Syrien mit dem Segen der USA Zammar nach Deutschland überstellt, sind gering. Es gibt nicht einmal ein Rechtshilfeabkommen. Außerdem behauptet Damaskus, Zammar habe noch die syrische Staatsbürgerschaft. Ein deutscher Experte winkt ab: „Das können wir vergessen.“

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