Politik : Verjährungsfrist für Missbrauch wird verlängert

Berlin - Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs sollen nach dem Willen der Bundesregierung künftig wesentlich länger Schadensersatzansprüche gegenüber den Tätern geltend machen können als bisher. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch in Berlin, die zivilrechtlichen Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch von drei auf 30 Jahre zu verlängern. Die Verjährungsfristen für eine strafrechtliche Verfolgung der Tatverdächtigen sind von der Neuregelung nicht berührt. Auch hier wird über eine Verlängerung diskutiert, Entscheidungen sind aber noch nicht gefallen.

Zur Begründung der aktuellen Verlängerung der Fristen erklärte das Bundesjustizministerium, die psychischen Folgen sexueller Gewalt seien oft so dramatisch, dass erst Jahre danach zivilrechtliche Schritte eingeleitet werden könnten. Bislang verhindere die dreijährige Verjährungsfrist daher oft eine Anerkennung des erlittenen Unrechts, weil die Opfer erst spät in der Lage seien, Schadensersatz vom Täter zu verlangen.

Die Opfer sollen zudem laut dem vom Kabinett beschlossenen Gesetzentwurf in Zukunft weniger häufig mit belastenden Mehrfachvernehmungen konfrontiert werden. Schon jetzt allerdings kann die Videoaufzeichnung einer früheren Vernehmung in der Hauptverhandlung abgespielt und eine neue vermieden werden. Der Gesetzentwurf geht auf Beratungen des Runden Tisches zu Kindesmissbrauch und sexuellem Missbrauch zurück, der vor einem Jahr erstmals zusammentrat. Er beschäftigt sich mit Konsequenzen aus Missbrauchsskandalen, etwa in kirchlichen Einrichtungen. AFP/rtr

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