Verkehr : Flüstergüterwaggons für weniger Lärm

Mit neuen Flüsterbremsen für Güterzüge will die große Koalition die Lärmbelastung angesichts des drastisch steigenden Güterverkehrs eindämmen. Auch im Luft- und Straßenverkehr soll es ruhiger werden.

Berlin - "Immer mehr Menschen fühlen sich durch Lärm belästigt", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). "Wir wollen lärmarme Bremssysteme für Güterwagen auf der Schiene fördern." Dazu sei ein Anreizprogramm aus öffentlichen und privaten Mitteln geplant, um rund 130.000 Waggons möglichst innerhalb von sechs Jahren nachzurüsten. Der Lärm soll damit halbiert werden. Notfalls will Tiefensee die Trassenpreise für laute Züge verteuern. Dazu wolle er mit der Deutschen Bahn sprechen.

Ältere Güterzüge fahren bisher mit gusseisernen Bremsen. Das führe zu Riffelungen an den Rädern, die die Schienen in Mitleidenschaft zögen, sagte CDU-Verkehrspolitiker Dirk Fischer. Die neuen Flüsterbremsen aus Kunststoffsohlen sollen die Laufgeräusche um bis zu zehn Dezibel reduzieren. Für neue Güterzüge ist lärmarme Technik schon Pflicht. Die Umrüstung alter Waggons soll rund 500 Millionen Euro kosten. In welcher Höhe der Bund Mittel für das Förderprogramm bereitstellt und Betreiber wie die Deutsche Bahn, ist offen. Die Förderung muss bei der EU-Kommission angemeldet werden.

EU-weite Initiative geplant

Die Koalition will den Lärm auch für Güterverkehr auf der Straße erträglicher machen. Geplant ist eine Verschärfung der Lärmgrenzwerte für Autos und eine Einführung von Grenzwerten für Neureifen. Auch bessere Schutzwände und Straßenbeläge sollen die Belastung senken. Im Luftverkehr soll der Fluglärm bis 2020 um zehn Dezibel im Vergleich zum Jahr 2000 sinken - etwa über leise Triebwerke. Die Regierung will sich bis Sommer über die Pläne abstimmen. Tiefensee will als EU-Verkehrsratspräsident auch mit den anderen EU-Ländern darüber sprechen.

Besonders betroffen von lauten Güterzügen ist laut Tiefensee das Rheintal. Er rechnet bundesweit mit einer Zunahme des Güterverkehrs um etwa 50 Prozent bis 2020 und mit 1,5 Millionen mehr Lastwagen. Die Koalition will mehr Güter auf der Schiene transportieren. Die Haushaltsmittel für Lärmschutz stiegen schon von 75 Millionen Euro 2005 auf derzeit 150 Millionen Euro. Dies sei noch nicht ausreichend, sagte Fischer. (tso/dpa)

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