Verkehrssicherheit : Was gegen Handys am Steuer hilft

Die meisten Autofahrer, die im Straßenverkehr telefonieren, bewerten ihr Verhalten zwar selbst als fahrlässig, wollen es aber trotzdem nicht ändern. Also muss die Strafkeule her. Ein Kommentar

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Alles im Blick? Manche Autofahrer schielen während der Fahrt auch gern aufs Smartphone.
Alles im Blick? Manche Autofahrer schielen während der Fahrt auch gern aufs Smartphone.Foto: Matthias Balk/dpa

Meine letzte verbotene Handynutzung am Steuer (ohne Freisprechanlage) liegt nun schon einige Monate zurück. Als im Berliner Stadtverkehr beim Rechtsabbiegen mein Mobiltelefon klingelte, nahm ich es ans Ohr, lenkte das Auto mit der linken Hand und hörte ein gewaltiges Hupen. Dicht neben mir fuhr ein großer Gelber, dem ich ohne die akustische Warnung in die Seite gefahren wäre. Glücklicherweise nahm mein grober Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung ein gutes Ende. Seitdem bin ich eine handyabstinente Fahrerin.

Mit Sündern wie mir hat sich Ende Januar 2017 der Deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar beschäftigt. Denn die Zahl der durch Handy am Steuer verursachten Unfälle steigt dramatisch an, sagen Beobachter wie die Verkehrspsychologen der TU Braunschweig, des Vereins „Mobil Deutschland“ und der Polizei. Geschätzte 100 000 Unfälle sollen es schon jährlich sein, im Stadtverkehr, auf Schnellstraßen und Autobahnen. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, wer gibt schon zu, das Mobiltelefon genutzt zu haben, als der Unfall passierte, oder bei Tempo 140 gar Nachrichten eingetippt und Texte gelesen zu haben. Was also tun?

Zwar bewerten die meisten Autofahrer ihr Verhalten selbst als fahrlässig, im wahrsten Sinne des Wortes, nur sie ändern es trotzdem nicht. Deshalb will der Bundesverkehrsminister jetzt die Strafen verschärfen: 150 Euro plus ein Monat Fahrverbot ist künftig der Preis für eine akute Gefährdung des Verkehrs. Auch die Bedienung weiterer mobiler Geräte beim Fahren soll nicht mehr zulässig sein. Wer aber soll das kontrollieren und wie? Nein, das reicht nicht, um routinierte und gelangweilte Fahrer in verantwortungsvolle und risikobewusste zu verwandeln. Warum nicht das Übel an der Wurzel packen? Neue Autos nur noch mit Freisprechanlagen bauen und die Nutzung mobiler Kommunikation beim Fahren technisch blockieren. Doch das ist ferne Zukunft. Was gleich ginge, sind drastische Warnschilder am Straßenrand von verunglückten Handy-am-Steuer-Nutzern mit (letzten) liebevoll verfassten Nachrichten wie: „bin gleich da, Schatzi“.

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