Verkündung der Wahlergebnisse : Schwere Ausschreitungen in Haiti

Die Verkündung der Wahlergebnisse in Haiti hat schwere Unruhen nach sich gezogen. Über den neuen Präsidenten muss in einer Stichwahl entschieden werden. Mehrere Kandidaten hatten eine Annullierung der Wahl gefordert.

Chaos in Haiti: Bei Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen kommen mindestens vier Menschen ums Leben. Protestanten errichten der Hauptstadt Port-au-Prince Straßenblockaden.Weitere Bilder anzeigen
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09.12.2010 08:31Chaos in Haiti: Bei Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen kommen mindestens vier Menschen ums Leben. Protestanten errichten der...

Nach der Verkündung der Wahlergebnisse in Haiti ist es in vielen Städten zu teils schweren Ausschreitungen gekommen. Demonstranten errichteten Barrikaden aus Reifen und Steinen in mehreren Vororten der Hauptstadt Port-au-Prince, beobachteten Reporter vor Ort. Demnach waren auch Schüsse zu hören. In Petionville nahe der Hauptstadt gingen hunderte vermummte Jugendliche auf die Straße und zündeten unter anderem Geschäfte an.

Der Wahlrat des Landes hatte zuvor verkündet, dass über den neuen haitianischen Präsidenten in einer Stichwahl entschieden werden soll. Demnach kam die frühere First Lady Mirlande Manigat bei den Wahlen vom 28. November auf 31,37 Prozent der Stimmen, der Kandidat der Regierungspartei, Jude Célestin, konnte 22,48 Prozent der Stimmen auf sich verbuchen. Beide sollen nun am 16. Januar gegeneinander antreten.

Der bekannte Sänger Michel Martelly, der ebenfalls zu den aussichtsreichsten Kandidaten gezählt hatte, landete mit 21,84 Prozent der Stimmen hinter Célestin auf dem dritten Platz. Dem Wahlrat zufolge trennten ihn nur knapp 7000 Stimmen von Célestin.

„Unser Kandidat wurde fertiggemacht“, sagte einer der Demonstranten, die spontan für Martelly auf die Straße gingen. „Wir werden das ganze Land blockieren.“ Die USA reagierten „besorgt“, riefen aber zur Ruhe im Land auf. Der Urnengang hatte überschattet von einer schweren Cholera-Epidemie und Betrugsvorwürfen stattgefunden. Zwölf der insgesamt 18 Kandidaten für das Präsidentenamt hatten wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten eine Annullierung des Urnengangs gefordert. (AFP)

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