Politik : Verletzte bei Streitereien mit Salafisten

Bonn - Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat mit Entsetzen auf die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und Mitgliedern der rechten Splitterpartei Pro NRW reagiert. Am Wochenende war es nach Provokationen von Pro NRW zu erheblichen Ausschreitungen gekommen, während derer zwei Polizisten durch Messerstiche schwer, 29 weitere leicht verletzt und 109 Gewalttäter festgenommen wurden. Pro NRW hatte während einer anti-islamischen Demonstration islamkritische Karikaturen gezeigt, daraufhin eskalierte die Situation. Den weniger als 30 Pro-NRW-Leuten standen nach Polizeiangaben 500 bis 600 Gegendemonstranten gegenüber. Flaschen und Steine flogen in Richtung der Splitterpartei.

Landesinnenminister Jäger sagte am Sonntag in Düsseldorf: „Die systematischen Provokationen der Rechtsextremisten von Pro NRW mit islamfeindlichen Karikaturen rechtfertigen in keinster Weise diese Ausschreitungen.“ Und: „Das waren keine spontanen Angriffe, denn die Salafisten hatten zuvor intensiv bundesweit für ihre Aktion mobilisiert.“ Den Rechtsextremen von Pro NRW wiederum warf er vor, gezielt Hass gegen vier Millionen Muslime zu schüren, die friedlich in Deutschland lebten und die sich von Salafisten distanzierten. „Pro NRW ist gefährlich für unsere Demokratie.“

Die Polizei parkte zwischen beiden Seiten Mannschaftswagen, um die Situation zu entschärfen, wie ein Sprecher berichtete. Nach den massiven Attacken wurde die Veranstaltung nach rund 45 Minuten beendet. Bereits vor der Demonstration waren ein Schlagstock, Steine und eine Steinschleuder sichergestellt worden.

Auch in Berlin kam es zu Rangeleien zwischen Salafisten und Anhängern der rechtspopulistischen Partei Pro Deutschland, als die radikalen Muslime am Wochenende Korane verteilten. Die Polizei erteilte nach eigenen Angaben mehrere Platzverweise. Anders als zunächst mitgeteilt wurde, gab es aber keine Verletzten.

Karikaturen des Propheten Mohammed sind für Muslime eine besondere Provokation, weil jegliche bildliche Darstellung Mohammeds im Islam verboten ist. Die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in Dänemark hatte bereits im Jahr 2005 zu teils gewalttätigen Protesten von Muslimen in aller Welt geführt. dpa

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben