Politik : Verlierer in Nigeria ficht Wahl an

Kaduna/Berlin - Bei den schweren Ausschreitungen nach der Wiederwahl von Präsident Goodluck Jonathan in Nigeria sind mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Dies geht aus einer Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters bei Augenzeugen und Rettungskräften hervor. Hunderte seien bei den Unruhen verletzt worden. Jonathan hat die Präsidentenwahlen für sich entschieden. Im muslimischen Norden votierten die meisten Menschen aber für seinen Herausforderer Muhammadu Buhari. Buhari kündigte am Mittwoch an, die Wahl anzufechten, rief aber zugleich zu Mäßigung auf.

Genau diese Indifferenz hält Hauwa Mustapha für einen der Gründe für die Eskalation der Gewalt. Sie leitet die Entwicklungsorganisation Tubali in Kaduna im Norden Nigerias. „Angesichts der Verehrung, die Buhari bei den Jugendlichen genießt, wäre sein schnelles Eingreifen nötig gewesen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Hauwa Mustapha glaubt zwar nicht, dass der frühere Militärmachthaber Muhammadu Buhari die Gewalt aktiv mit Geld gefördert habe. „Aber er hat die Situation durch sein Verhalten verschärft.“

Hauwa Mustapha war nicht besonders überrascht, dass nach der Präsidentenwahl Krawalle ausbrachen. Sie ist das gewohnt. Aber sie hätte erwartet, dass zunächst alle Wahlen abgeschlossen sein würden. In dieser und der kommenden Woche werden in Nigeria noch die sehr einflussreichen Gouverneure der Bundesstaaten sowie die zweite Kammer des Parlaments gewählt. Trotz des Gewaltausbruchs, der nach Angaben des Roten Kreuzes etwa 40 000 Menschen obdachlos gemacht hat, ist Mustapha überzeugt davon, dass dem Chef der Wahlkommission, Attahiru Jega, kein Vorwurf zu machen sei. „Er hat die glaubwürdigsten Wahlen organisiert, die es in Nigeria jemals gegeben hat“, stellt sie klar. deh

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